Rotwildhege in der Sackgasse ?

Rotwild in der SackgasseAm 22.10.11 in Dornbirn diskutierte die Vorarlberger Jägerschaft zusammen mit zahlreichen Gästen aus anderen Teilen Österreichs aber auch aus Deutschland das Thema „Rotwildreduktion & Weidgerechtigkeit“ 

In der Ankündigung  wird eingeräumt, dass die Reduktion des Rotwildbestandes in vielen Regionen der Alpen notwendig sei und eine echte Herausforderung darstelle. Gesucht wurde nach jagdlichen Methoden und Strategien das Rotwild „vernünftig“ zu bejagen und erfolgreich zu reduzieren.

Der jagdpolitische Hintergrund

Ein wichtiger Hintergrund für die Tagung war die Situation im Oberen Lechtal bei Reutte(Tirol). Dort seien, so der zuständige Landesveterinärdirektor Josef Kössler, in bestimmten Gegenden mehr als 40% des Rotwildbestandes von TBC befallen.In einem, lediglich 490 ha großen Gebiet sollen insgesamt 300 Stück Rotwild an zwei Fütterungen stehen. In diesem Revier seien sogar bis zu 50 % der Tiere mit TBC infiziert.  (Quelle: www.jagderleben.de)

Befürchtet wird eine Übertragung auf die, mit sehr vieler Mühe von der Tuberculose befreiten Rinderbestände.Tirol ist derzeit noch ein „Rinder-TBC-freies Land“. Der Verlust dieses Status hätte weit reichende Auswirkungen für die Existenz der Tiroler Landwirtschaft

Um Reutte mussten in den vergangenen Monaten  schonmehr als 100 Kühe wegen Rindertuberculose geschlachtet werden. (Quelle: www.merkur-online.de)

Die Tiroler Bauern fordern schon Totalabschuss des Rotwilds. Von den Behörden geplant ist eine Bekämpfung der TBC beim Rotwild nach dem Tierseuchengesetz wie beim Rotfuchs. Rund die Hälfte des Rotwildbestandes von rund 1100 Tieren im Oberen Lechtal soll abgeschossen werden. Gelingt dies der Jägerschaft nicht, denkt man an den Bau von Gattern für den Reduktionsabschussabschuss. Befliegungen mit Wärmebildkameras zur genaueren Anschätzung der Rotwildbestände wurden durchgeführt.

Außerdem wird über eine Änderung der Fütterungspraxis gesprochen, etwa den Verzicht auf Maissilage.

Im angrenzenden Bayern gebe es das Problem nicht, dort seien die Wilddichten deutlich geringer kommentiert der Sprecher des Bayerischen Landesjagdverbandes.

 Ursachen und Schlussfolgerungen

 Wesentliche Ursache für die weit überhöhten Rotwildbestände in weiten Teilen Österreichs seien die Ziele der Rotwildjagd und eng damit zusammenhängend die Jagdmethoden. Ziel sei der starke, reife Erntehirsch. Höhepunkt des Jagdjahres sei daher die Hirschbrunft, an der sich alle jagdlichen Aktivitäten orientieren. Wichtigste Jagdart sei die Einzeljagd. Vor der Brunft wird wenig oder nichts geschossen um den Erfolg auf der Brunftjagd nicht zu gefährden. Nach der Brunft bleibt zu wenig Zeit um zu reduzieren. Die Qualität eines Berufsjägers wird weitgehend von seinem Erfolg als Jagdführer bei der Hirschbrunft beurteilt.

Für viele Reviere spielen die Einnahmen aus dem Verkauf der Abschüsse von Trophäenträgern eine nicht zu unterschätzende Rolle.

In nicht wenigen Gebieten sind die Jagdreviere zu klein, um das Rotwild, das große Lebensräume beansprucht, wirkungsvoll regulieren zu können.

Nicht angesprochen wurde, die verbreitete, üppige Fütterung, die  ebenfalls eine wesentliche Ursache des bedenklichen Ansteigens der Bestände sein dürfte. Sie war nicht Thema der Jägertagung.

Die Einzeljagd als geeignete Methode für eine Reduktion des Bestandes wurde in Frage gestellt.

In vielen Referaten wurde der vorsichtige Versuch gemacht der sehr konservativen österreichischen Jägerschaft Bewegungsjagden schmackhaft zu machen um effektiver, aber auch tierschutzgerechter und jägerfreundlicher zu regulieren. Großflächigere revierübergreifende Jagden sind notwendig.

Es gab sehr emotionale Gegenargumente vor allem aus Gründen Weidgerechtigkeit, wie krank geschossenes Wild, mutterlose Kälber und Stress für das bejagte Wild.

Zu  Frage der Weidgerechtigkeit versuchte Wölfel  eine neue Definition: „Weidgerecht sei eine artangepasste, tierschutzgerechte und naturschutzkonforme Bejagung und Steuerung von Wildtierbeständen“

Zur Hege meinte Wölfel:“Der missbräuchliche Futtermitteleinsatz zur Steigerung der Trophäen hat den Begriff Hege irreparabel verdorben, er ist kurz- und mittelfristig kaum positiv besetzbar“.

Die Tagung war insgesamt außerordentlich wichtig für die Zukunft der Jagd in Österreich. Die Reaktion der zahlreich erschienenen Jägerschaft im Saal war aber eher noch zurückhaltend.

Aus meiner Sicht  ist  bedauerlich, dass  erst jetzt,  vermutlich eine Tierseuche und nicht schon viel früher der Zustand des Waldes in den österreichischen Bergen ein Auslöser für eine so bedeutende Veranstaltung  war. Die Verbiss-und Schälschäden im Wald sind seit langem, so die einschlägige österreichische Forstpresse, ein chronisches Problem in den Wäldern der Alpenrepublik.

Klaus Thiele

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Jagdpraxis veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.