Hessen: Video belegt Luchs-Nachwuchs

Das hessische Luchsprojekt hat ein „ertragreiches“ Jahr hinter sich. Neben intimen Einblicken ins luchseriöse Leben durch den telemetrierten Harzluchs M2 konnten weitere interessante Beobachtungen dokumentiert werden. Besonders eindrucksvoll war ein Video, das in einem Waldgebiet bei Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) gelang. Die Qualität ist nur mäßig, da eine Fotokamera mit Videomodus eingesetzt wurde. Der überraschte Wanderer hatte nichts anderes zur Hand. Er filmte eine Luchsin mit einem fast erwachsenen Jungtier.

Luchsnachwuchs wird in Hessen seit 2003 kontinuierlich gemeldet. Doch Sichtbeobachtungen sind nicht zu beweisen und können deshalb nur als „Hinweis“ gelten. Mit den Video-Aufnahmen ist nun erstmals ein handfester Nachweis gelungen. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass die Luchsin als trächtiges Tier aus einem Tierpark entkommen konnte, liegt der Schluß nahe, dass sich wildlebende, hessische Luchse im Freiland vermehren. Der Ort der Aufnahmen wurde überprüft. Damit ist ausgeschlossen, dass die Bilddokumente aus einem weiträumigen Luchsgatter stammen.
Zudem gelang 2010 erstmals in Hessen der genetische Nachweis eines Luchses.
Im Werra-Meißner-Kreis hatte das Tier einen Hochsitz (weidgerecht) zur Wildbeobachtung genutzt und war dann einem verdutzten Jäger auf der Leiter entgegen gekommen. Auf der Kanzel fanden sich ganze zwei Haare, die dann vom Forschungsinstitut Senckenberg als Luchshaare bestätigt wurden.´
Im November bekam der „Arbeitskreis Hessenluchs“ einen weiteren Hochsitz-Nutzer mit Pinselohren gemeldet. Der wurde bei einer Bewegungsjagd im Schwalm-Eder-Kreis von einem Dackel derartig genervt, dass er sich auf eine Jagdkanzel zurückzog.

Luchsbeobachtung auf Hochsitz
Foto Hochsitzluchs: © Carsten Mangold

Der Hundeführer war den Spurlauten seines Kurzbeiners gefolgt und sah dann im Innern des Hochsitzes eine Kontur, die er zunächst für einen Jäger hielt. Er machte sich daraufhin laut bemerkbar, was wiederrum den Luchs das Weite suchen ließ. Zuvor gelangen aber noch Fotos mit einem Mobiltelefon. In der Nähe sah dann kurz darauf ein weiterer Jäger einen Luchs mit Sendehalsband. Also mutmaßlich den Harzluchs M2. Es liegt daher nahe, dass es sich bei dem fotogenen „Hochsitz-Luchs“ ebenfalls um den eingewanderten Kuder gehandelt hat.

Information: Träger des hessischen Luchsprojekts ist der Arbeitskreis Hessenluchs, der 2004 vom ÖJV Hessen und vom BUND Hessen initiiert wurde. Mittlerweile sind alle Naturschutzverbände Mitglied des AK. Kooperationspartner sind das hessische Umweltministerium, das Forschungsinstitut Senckenberg, Hessen-Forst und der LJV Hessen. Mehr dazu (u.a. das „Jungluchs-Video“) auf der Website www.luchs-in-hessen.de

Gerd Bauer, ÖJV Hessen/AG Luchs

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