Tödlicher Weihnachtsausflug: Kormorane im Fadenkreuz

NABU kritisiert Antrag auf Kormoranabschuss in Wutachschlucht scharf /
Stellungnahme eingereicht

Wutachschlucht / Stuttgart – Als „absurd und unbegründet“ bezeichnet der Naturschutzbund NABU den Antrag einiger Angler, Kormorane im Naturschutzgebiet Wutachschlucht abzuschießen. In der Weihnachtszeit 2007 seien nach Beobachtungen von Anglern rund 50 Kormorane in das Natur- und Vogelschutzgebiet „Wutachschlucht“ eingeflogen. Prophylaktisch sollen jetzt aus Sicht der „Interessensgemeinschaft der Fischwasserpächter“ alle „Fischräuber“ abgeschossen werden – und das unter dem Deckmäntelchen des Artenschutzes: um die Bestände bedrohter Fischarten zu schützen.
Gleichzeitig sollen bedrohte Fischarten wie die Äsche im betroffenen Gebiet
aber weiterhin geangelt werden dürfen. Ein entsprechender Antrag ist im
Regierungspräsidium eingegangen, der NABU hat dazu nun eine Stellungnahme
eingereicht.

„Dieser Antrag ist nicht nur in der Sache vollkommen inakzeptabel, er ist
auch handwerklich jenseits von Gut und Böse“, sagt der
NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann. „Anstatt wissenschaftlich seriös
zu argumentieren, wird hier mit Vermutungen und nicht belegten Beobachtungen
und Zahlen gearbeitet. Eine fachlich fundierte Diskussion oder gar ein
sinnvolles Artenmanagement ist auf dieser Grundlage nicht möglich.“

Zu den Beständen der bedrohten Äsche in der Wutach etwa, zu der es „Anlass
zur Sorge“ gebe, werden weder Zahlen noch Bestandstrends geliefert. Die
angebliche Gefährdung der Groppe durch den Kormoran in der Wutach wird mit
einem Artikel aus einer österreichischen Fischerei-Verbandszeitschrift
belegt, der auf Untersuchungen an der Donau östlich von Wien basiert. „Es
ist absurd: Nicht nur wird hier als ‚Beleg’ die Verbandszeitung einer
Lobbyorganisiation angeführt. Ebenso unklar bleibt, was die Donau bei Wien
mit der Wutach hier im Land zu tun hat – beides sind Flüsse, aber ansonsten
unterscheiden sie sich massiv voneinander, was Größe und Fischfauna angeht“,
sagt Baumann.

Es bleibt für den NABU die Frage, warum zum Schutz der bedrohten Äsche
Kormorane geschossen werden sollen, wenn im selben Gebiet gleichzeitig noch
Äschen geangelt werden dürfen. Deshalb hat der NABU auf derselben
„Datengrundlage“ der Angler den Antrag gestellt, das Angeln am Mittellauf
der Wutach prophylaktisch zu verbieten. Zum Schutz der bedrohten Fischarten.

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