Und noch ein Sturm im Wasserglas ! (Teil 1)

Wie die Forstmaschinenlobby, SPD, BILD und Saarjäger zur Treibjagd blasen auf den neuen saarländischen Umweltstaatssekretär Klaus Borger

– aber leider keine Satire, sondern bitterer Ernst!

Von Wilhelm Bode, Vorsitzender ÖJVsaar

Es stand mal wieder in der BILD:

„Staatssekretär nennt Holzfäller Massenmörder!“

Voraus gegangen war ein Artikel der intellektuellen Linkszeitung TAZ in Berlin, nicht gerade die Hauspostille des einfachen Saarländers oder eines Saarjägers und schon gar kein Ghostwriter der BILD-Zeitung. Klaus Borger habe sich vor ca. 8 Monaten, also sechs Monate bevor er Staatsekretär im Saarland wurde, in einem Leserbrief an das Holzzentralblatt auf ein Zitat des slowenischen Forstprofessors Dusan Mlinsek zum „nekrophilen“ Zug der Technik bezogen, das da lautet:

„Die unheilvolle Verbindung von Technik und Destruktivität wirkt sich nicht nur beim Menschengeschlecht selbst aus, sondern auch auf seine Mitwelt und ganz besonders auf die Waldlandschaft. Im Prinzip gibt es keinen Unterschied zwischen einer während des Krieges gefallenen Nation und einem gefallenen Wald. Beide wurde durch Ideologien geleitet und in einem kybernetischen Prozess  vernichtet – mit Hilfe der verleiteten Person oder der Maschine. Dabei führen der Pilot des Bombers und der Pilot des Vernichtungsprozessors im Wald kaum bewusst, gefühllos die Befehle zum Massenmord aus.“

Ein überaus treffendes Zitat zu den Problemen, die wir Menschen uns durch unkritische Technikfreudigkeit tagtäglich schaffen und die sehr viel mit den gewaltigen Problemen in unserer Umwelt und auf dem Globus zu tun haben. Mlinsek, ein damals (1991) europaweit hochgeschätzter Waldbauprofessor in Ljubljana/Slowenien, war u.a. Präsident der IUFRO, der Weltorganisation forstlicher Forschungsanstalten und ein hochpopulärer Fernsehmoderator für Natursendungen im slowenischen Fernsehen. Der „Grzimek“ Sloweniens wurde er darum genannt. In meinem Buch „Waldwende“ (1994) habe ich dieses, damals bereits 3 Jahre alte, Zitat nachgedruckt. Gestört hatte das Zitat bis zum Erscheinen des TAZ Artikels am 20 12. 2009 aber niemanden. Mlinsek bezog sich ganz offenbar auf das, den Älteren unter uns sicher bekannte, Buch von Friedrich Georg Jünger „Die Perfektion der Technik“ von 1946 (das schon 1939 fertig gestellt war, aber nicht zur Zeit der Nazidiktatur erscheinen durfte. Bekanntlich hatten sich die Nazis ganz besonders der Nekrophilie (~Todessehnsucht) der Technik verschrieben – und das mit sehr traurigem Erfolg, wie wir alle wissen!).

Der TAZ Artikel erschien bei näherem Hinsehen auf ausdrücklichen Wunsch des Fraktionsgeschäftsführers der SPD-Fraktion im saarländischen Landtag, also der Partei, die bis heute ganz und gar nicht verstehen will, dass die SaarGRÜNEN nicht auf diese versinkende, kopflose SaarSPD abonniert sind und – trotz Zuruf und heftigstem Werben – die erste Jamaika-Koalition in einem Bundesland geschmiedet haben. Diese gänzlich graue Maus eines Abgeordneten, ein Herr Jost, nicht gerade bekannt für sachbezogene Politik im Saarland, war zuvor vom Bundesverband der Forstdienstleistungsunternehmer über den inzwischen angeschimmelten Leserbrief im Holzzentralblatt informiert worden und gab sich nun alle Mühe, diesen vermeintlichen Skandal – möglichst über eine linke Quelle versteht sich – als „frisch gepflückt“ auf den Teller der Öffentlichkeit zu bringen. Es interessierte ihn nicht, dass das dem Leserbrief zu Grunde liegende Engagement von Klaus Borger für sanfte Betriebstechniken im Wald seiner treuesten SPD- Stammklientel, nämlich der Waldarbeiterschaft, direkt hilft, ihre Arbeitsplätze nicht nur zu sichern, sondern sogar neue hinzuzugewinnen. Nein, eine beleidigte Leberwurst kennt kein Pardon, wenn die falsche Koalition eingegangen wird. Dann wird man sogar der eigenen Anhängerschaft gegenüber uneigennützig! Dazu passt, dass nach Erscheinen des Artikels in der TAZ der gleiche „Initiator der Gerechten“ natürlich völlig überrascht unter der Adresse „SPD-Fraktion  fordert“ den Rücktritt des Staatsekretärs Borger anmahnt.

Was wiederum viele andere deutsche Publikationen auf den saarländischen „Sturm im Wasserglas“ aufmerksam macht, nach der Devise: Was geht da vor sich? – Und die damit unwissentlich als Werkzeug der Schmutzfinken dienen, diesmal nach der Devise: Hauptsache es bleibt etwas hängen! Selbst der STERN bemüßigte sich schließlich zu einem Ablehnungskommentar, offenbar ohne sich auch nur etwas mehr als aus der BILD-Zeitung zu informieren. Jetzt war die Zeit reif für den Forstunternehmerverband noch eins drauf zu setzen, man faselte von einer Straftat: „Volksverhetzung“ !!!! Sie haben richtig gelesen, denn Hauptsache es bleibt was hängen! War da nicht sogar schon einmal eine Anzeige gegen den ÖJVsaar Vorsitzenden Borger – ausgerechnet im Vorwahlkampf? Richtig da war eine, und die erfreute sich sogar der hartnäckigen, monatelangen Ausdauer der politisch verantworteten Staatsanwaltschaft. Doch der Schuss ging nach hinten los: Sie entpuppte sich mit richterlichem Segen als Rufmordkampagne aus dem Ministerbüro und einiger seiner ministeriellen Bürokraten.

Nun war der Sturm allmählich zum Orkan im Wasserglas aufgeblasen, und es fehlte eigentlich nur noch die Stimme der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) als Hüterin der saarländischen Wild/Waldpflege. Auf letztere musste man nicht lange warten. Der Pressewirbel erweckte sie schlagartig aus der Schockstarre, in die sie das Jamaika-Koalitionspapier zur Jagdpolitik versetzt hatte (siehe Kasten „Brief des Landesjägermeisters“). Man witterte winterlichen Morgenduft, also die Zeit der Treibjagd! Schnell fanden sich schmierige Worte, um ins Horn der neuen, wenn auch noch etwas ungewohnten Linkskoalition zu blasen, das das Jamaika-Bündnis im Saarland zwangsläufig auch für Jäger mit sich bringt.

Ganz sicher auch kein Zufall, dass gleichzeitig einige CDU-Bundestagsabgeordnete in der Staatskanzlei zu diesem zufällig idealen Zeitpunkt aktiv wurden, man möge doch das  Koalitionspapier zu Jagd und Forst (siehe Kasten) vor dem Hintergrund einer so hoch belasteten politischen Persönlichkeit nicht mehr umsetzen. Aha, es ging also gar nicht um ein angeblich beleidigendes Zitat, sondern um pure Lobbypolitik, der jedes Mittel recht ist.

Nun kennen wir alle die Folgen solcher Kampagnen: Beim Betroffenen bleibt etwas hängen! War da nicht mal was? – fragt sich der Bürger, wenn ein Staatssekretär aus dem Saarland demnächst einmal Radar geblitzt werden sollte oder ihm etwas passiert, was jedem von uns passieren könnte. Auch wird sich so schnell kein braver Förster mehr gegen Wald vernichtende Maschinen an die Presse wenden. Selbst Naturschützer werden sich drei Mal fragen, ob es sich lohnt, bei einem drohenden öffentlichen Verriss ihrer Person gegen tonnenschwere Harvester im Laubholz aufzustehen, was dringend erforderlich ist. Der Wald braucht mutige Menschen, die sich vor ihn stellen und ihn verteidigen. Und erinnert uns die Methode nicht verdächtig an ein Ereignis vor wenigen Monaten, von dem sich selbstverständlich alle, ob rechts oder links, mit Abscheu distanzieren – angeblich. Da sind wir uns doch alle einig – angeblich!

Ich meine die Kampagne gegen die Mohammed Karikaturen in einer dänischen Zeitung, die gezielt uninformierte und verleitete Menschen in der islamischen Welt zielgerichtet in Aufruhr versetzte. Nein, die Größenordnung und das Maß des öffentlichen Missbrauchs im Fall der Mohammed Karikaturen durch radikale Islamisten war um Potenzen schlimmer und größer. Aber – worauf es mir ankommt – die Methode war die gleiche und ist genau die, die zur Politikverdrossenheit führt. Es ist die öffentliche (Meinungs-)Skrupellosigkeit in der sachpolitischen Auseinandersetzung die unser Gemeinwesen langsam vor die Hunde gehen lässt. Haben SaarSPD, Forstunternehmerverband, VJS, TAZ, STERN und Boulevardpresse wirklich keine Möglichkeit, jeder für sich, sachlich auf  die Frage einzugehen, ob die Großmaschinen im öffentlichen Wald angesichts Klimawandel, Waldsterben, Energiewende, Arbeitslosigkeit, sterbender Landschaften etc. die richtige Antwort sind? Vereint allein die lobbyorientierte Gegnerschaft gegen den ungeliebten Staatsekretär Borger und ehemaligen Vorsitzenden des ÖJVsaar über alle sonstigen Sachdifferenzen hinweg die Gegner in ihrer maßlosen Argumentation – Hauptsache er stürzt! Von da bis zum Ruf der radikalen Muslime „Jagt ihn!“ ist es doch nur noch ein quantitativer Unterschied. Offenbar heiligt der Gegner die Mittel dieser vorgeblichen Demokraten und Waldarbeiterfreunde.

Doch Halt, es gibt auch Hoffnung. Wer die Leserzuschriften im STERN, der TAZ und anderen Zeitungen verfolgt, findet sich schnell auf der Seite des Gescholtenen wieder. Denn längst hat natürlich auch der deutsche Normalbürger bei seinem sonntäglichen Spazier“sprung“ auf den von Forstmaschinen zerfahrenen Waldwegen am eigenen Leib erfahren müssen, was da im Dienste der „ordnungsgemäßen Forstwirtschaf“ angerichtet wird.

Mehr als 70 % aller Leserzuschriften stellten sich in der TAZ und im STERN auf die Seite des Abgestraften. Und deswegen – und nicht weil es Spaß macht zu provozieren – noch ein Zitat, diesmal aus der lesenswerten, ideenverwandten Ursprungsschrift von Friedrich Georg Jünger 1939:

„Der Fortschritt, den die mechanischen Arbeitsverfahren dem Techniker vorspiegeln, gleicht einem Feuer, das die Böden über die es läuft, verbrannt und verheert zurück lässt. Was der Entropiesatz lehrt, das gilt für die Technik als Gesamtphänomen.“

Und die merkwürdige Koalition aus Demokraten und Waldarbeiterfreunden, namentlich der TAZ, dem STERN und der SaarSPD, sei die alte deutsche Weisheit angeraten:

Trau, schau wem !!!

Nachtrag: Ich fahre gerne, sogar ein schnelles Autos, sitze zu Hause nicht auf Apfelsinenkisten, schreibe gerade an meinem Laptop, wenn ich nicht mit dem Handy telefoniere – aber halte lediglich Forstmaschinen auf Waldböden für unverantwortbar und für von vorgestern. Ich denke es muss als Förster reichen, Forstmaschinen minimal im 50 m Abstand zu ertragen, bzw. zuzulassen, wenn man sich gegenüber zukünftigen Generationen als verantwortlich erweisen will. Ehe ich es vergesse: Ich bin mir sicher, die Zukunft wird mir recht geben. Und noch etwas: Klaus Borger klagt inzwischen gegen den Springer Verlag auf Widerruf und Unterlassung. Deshalb gibt’s das nächste Mal die Fortsetzung (Teil 2), das ist dann auch Gelegenheit darüber zu berichten, wie die merkwürdige Notgemeinschaft dieser ganz speziellen Waldfreunde auf diesen Artikel reagiert.

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