Architekten- die heimlichen Vogeljäger ohne Jagdschein

Hoch ragt die Bankensilhouette über Frankfurts Innenstadt.
Was für architekten ein Traum baukundlicher Selbstverwirklichung ist, bedeutet für viele Vögel den Alptraum, nämlich den sicheren Tod. Und gilt für die Bauherren, „je verspiegelter, desto energieeffizienter“, so kehrt sich für Vögel, die meinen sich im freien Luftraum zu bewegen, der Effekt um ins Negative.
Oder sollte man vereinfachend von „Biomasse-Umwandlung“ und „Neuverwertung“ sprechen im Hinblick auf Füchse und Krähen ?
So wären also genannte Bauherren die eigentlichen Fuchs- und Rabenvogel-Schützer oder zumindest -förderer.

Vom Allgemeinen zum Speziellen:
Seit 2005 mit Unterbrechungen und ganz gezielt seit September 2008 untersuchten die diesjährigen Umweltpreisträger der Stadt Dortmund, V. Heimel, J. Schlusen und M. Hötzel ein spezielles Verwaltungsgebäude in Dortmund.
Es handelt sich um das Gebäude „Rheinlanddamm 24“, auch als ehemaliges VEW-Gebäude bekannt, derzeit von der RWE genutzt. Das Haus weist etwa 600 m Kantenlänge auf und ist etwa 30 m hoch.
Rundum kupferfarben verspiegelt fügt es sich ein in einen über 100-jährigen Baumbestand auf der einen Seite und den Westfalenpark auf der anderen.
In 1-5-tägigem Abstand kontrollierten wir tagsüber Spuren (besonders Federn) kollidierter Zugvögel.
Bis zum 26.2.2009, also in einem halben Jahr, fanden wir dort 408 tote Individuen von 40 verschiedenen Vogelarten. Es war, als hätte jemand mitten im Wald Japannetze aufgestellt.
Dem entsprechend waren die meisten Vögel, die das Hindernis übersahen Park- und Waldvögel, darunter auch Spechte und Waldschnepfen (5). Vergleiche mit anderen Forschergruppen (Post-Tower Bonn, H.Haupt, (www.lichtverschmutzung.de) weisen das Gebäude „Rheinlanddamm 24“ als eine der gefährlchsten Vogelfallen Westfalens aus.
Lösungsansätze wurden vor allem von der Schweizer Vogelwarte Sempach unterbreitet (www.vogelwarte.ch).So scheinen senkrecht angebrachte Streifen in 10 cm Abstand von Vögeln am besten wahr genommen zu werden.
Bisher ist nicht ab zu sehen, ob von Seiten der Architekten Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Vogelwelt überhaupt thematisiert wird. Zögerliche Ansätze sind zu erkennen und wir hoffen auf eine breite Diskussion der angesprochenen Thematik.

Volker Heimel, Öko-Station Ebberg, Schwerte/Ruhr

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