Gänsetötung in München trotz fundierter Gegenstimmen

In München sollen  Graugänse in der Schonzeit und während der Mauser wegen angeblicher Probleme getötet werden. Die drei großen und renomierten Naturschutzverbänd BN, LBV und die Ornithologische Gesellschaft wenden sich entschieden dagegen. Im Folgenden deren kurze Stellungnahme.

Münchner Natur- und Umweltschutzverbände widersprechen KVR

Münchner Symboltier statt Problemfall:

Die Graugans

Zur Bundesgartenschau 2005 warb das Münchner Fremdenverkehrsamt noch mit der Graugans vor dem Olympiaturm. Tausende Touristen fotografieren jedes Jahr die Graugänse am Nymphenburger Schloss und am Kleinhesseloher See. Nun werden die Tiere von einigen wenigen Protagonisten zu einem Problem gemacht, dem man angeblich nur durch Fang und Tötung Herr werden kann. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat hat deshalb auf Antrag der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung den Fang und die Tötung der Graugänse zur Schonzeit und inmitten

von Erholungsparks und Schutzgebieten erlaubt.

Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Ornithologische Gesellschaft  widersprechen dieser Darstellung entschieden. Die Anzahl der Gänse in München ist weder dramatisch hoch noch steigt sie dramatisch an. Die Frage einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung wird vollkommen überspitzt dargestellt. Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Ornithologische Gesellschaft lehnen den Fang und die Tötung der Münchner Graugänse entschieden ab. Die Verbände werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Tötungsaktion vorgehen.

„Graugänse sind in München kein Problem. Die von Kreisverwaltungsreferat und Schlösserverwaltung genannten Zahlen stehen in völligem Widerspruch zu seriösen Zahlen, die langjährige Forschungsprojekte an tausenden Wildgänsen für München erbracht haben. Wir fordern die sofortige Rücknahme der Genehmigung und den Verzicht auf die Tötung der Tiere“ so Christian Hierneis, Vorsitzender des Bund Naturschutz in München.

 

München, den 30. April 2008

„Den verantwortlichen Behörden und Wissenschaftlern muss man den Vorwurf machen, eine fachlich und moralisch fragwürdige Massentötung von Wildtieren in der Stadt vorbereitet zu haben, ohne über Alternativen nachgedacht zu haben. Eine vernünftige, offene Diskussion mit den Naturschutzverbänden hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine praktikable Lösung erbracht“ ergänzt Matthias Luy, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberbayern des Landesbundes für Vogelschutz.

Warum sind Graugänse in München kein Problem?

Die Münchner Badelandschaft ist für Graugänse unattraktiv. Weder auf den Isarkieseln, noch an den Badeseen finden sich die Tiere ein. Gänsekot ist für Badende also kein Problem. Die Münchner Graugänse sind seit etwa 1950 zu Gast in den Parks. Sie sind Nachkommen der Gänseherde des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz, der an Ihnen bahnbrechende Erkenntnisse für die Wissenschaft, z.B. das Phänomen der Prägung entdeckt hat.

Nachfragen bei allen Münchner Umweltverbänden ergaben, dass die einzigen Anrufe zum Thema Gänse lediglich der Frage galten, wie den beliebten Tieren, die als Symbol für Treue gelten (lebenslange Paarbindung) in Notlagen geholfen werden kann. Es gab nie eine Beschwerde über die Tiere. Sie sind damit offensichtlich weniger problematisch als z.B. die Stadtamseln, über deren lautstarken Gesang sich schon mehrere Spätaufsteher beschwert haben. Allerdings ohne dann gleich die Tötung unserer Stadtamseln zu verlangen.

Wie kann man Liegewiesen im Englischen Garten und Nymphenburger Schlosspark frei von Gänsekot halten:

1. An den wenigen Stellen, an denen Gänsekot evtl. auf Liegewiesen stört, kann eine spezielle Kehrmaschine eingesetzt werden.

2. Gänse lieben nur ganz kurzgrasige Wiesen. Schon etwas weniger oft gemähte Wiesen sind für Gänse unattraktiv. Dort kann man bequem liegen und sogar Blumen bewundern, die in ultrakurzen Rasen nicht gedeihen können.

3. Quer in der Wiese verlaufende, niedrige Hecken halten Gänse zuverlässig ab.

4. Speziell trainierte Hunde können Gänse wirksam von beliebten Liegewiesen vertreiben.

5. Das Fütterungsverbot wird in den Parks nicht kontrolliert. Es erfolgt auch keine Aufklärung über die Wirkung des Futters.

Ansprechpartner für Rückfragen:

Bund Naturschutz in Bayern e.V., Martin Hänsel, Tel. 089 / 51 56 76 – 76

Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V., Matthias Luy, Tel. 089 / 200 270 80

Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe München, Pettenkoferstr. 10 A, 80336 München, Vereins-Reg. Nr: 834, Amtsgericht München

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