Wildschweineplage

Wildschweineplage: staatliche Zwangsbejagung, „Anti-Baby-Pille“ und „Kirrverbot“ gefordert

ISNKrisenmanagement zur Lösung der Wildschweineexplosion in Deutschland – alarmierende Unfallzahlen – gestiegenes Wildschweinepestrisiko – Bevölkerung und Landwirte von Politik im Stich gelassen – Bauern mit Geduld am Ende – 10-Punkteplan zur effektiven Schwarzwildbekämpfung vorgelegt – neue Wege beschreiten

Der Schwarzwildbestand in Deutschland hat erneut beängstigend zugenommen. Nachdem im letzten Jahr deutschlandweit 477.800 Wildschweine geschossen wurden, berichtet die ISN–Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN), sei in der kommenden Herbst-/Wintersaison sogar davon auszugehen, dass die Schallmauer von einer halben Million Wildschweinen noch übertroffen werde.

Dieser traurige Rekord sei alarmierend, so die ISN. Mit Berufung auf die Wild-Unfallstatistik des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) müssten bei der Politik endlich die Alarmglocken schrillen. Denn im vergangenen Jahr seien allein die Unfälle mit Wildschweinen um ein ganzes Drittel auf 23.500 Fälle gestiegen. Der ADAC weist in seinem Wildunfallbericht für 2006 10 Tote, 562 Schwerverletzte und 2.279 Verletzte aus. Eine traurige Bilanz, die im laufenden Jahr sicher noch übertroffen werde.

Dieser wahren Explosion der Wildschweinepopulation, die auch schon lange nicht mehr vor den Toren der Städte halt mache, müsse jetzt endlich Einhalt geboten werden, fordert die ISN. Denn mit diesem Wachstum gehe auch ein stark gestiegenes Wildschweinepestrisiko einher. Eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung sieht die ISN im Boom beim den Biogasanlagen; denn diese würden mit Mais betrieben und dessen Anbaufläche habe für jedermann täglich sichtbar, deutlich zugenommen. Mais gilt als Leibspeise der Wildschweine.

Sogar in den deutschen Veredlungszentren, in denen Wildschweine bisher kaum anzutreffen waren, haben sie sich überdurchschnittlich stark vermehrt. So wurde im Landkreis Vechta in Niedersachsen 1992/93 nur ein Schwein geschossen, in der laufenden Jagdsaison sei mit deutlich mehr als 200 Abschüssen zu rechnen. So ähnlich stellt es sich in der nordrhein-westfälischen „Schweinehochburg“ Coesfeld dar. Dort wurden 1994/95 keine 50 Wildschweine geschossen, bis heute hat sich die Jagdstrecke mit über 300 Abschüssen mehr als versechsfacht!

Der letzte Schweinepestzug in Nordhein-Westfalen im Jahre 2006 hat nach ISN – Angaben, die sich dabei auf das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Düsseldorf beruft, Kosten von über 80 Millionen € verursacht. Dem gelte es vorzubeugen. Die Schweinehalter sehen außerdem die erst kürzlich geschlossenen Veterinärabkommen zum Export von deutschem Schweinefleisch nach Russland, Südafrika, Japan und China in ernster Gefahr. Sollte Wildschweinepest in einem der veredlungsintensiven Bundesländer festgestellt werden, käme dies einem Fiasko gleich, das zum Zusammenbruch des Schweinemarktes führen könne.

Da es offensichtlich sei, dass die konventionellen Jagdmaßnahmen nicht mehr greifen, will die ISN neue Wege beschreiten. Da die Jäger, die die Jagd überwiegend in ihrer Freizeit als Ausgleich betrieben, mit der Situation allein nicht mehr zurecht kämen, hat die ISN einen Maßnahmenkatalog erarbeitet.

Zum Schutz der Bevölkerung und zur seuchenhygienischen Vorbeuge sieht dieser Krisenplan folgendes vor:

    1. Das Landwirtschaftsministerium soll verbindliche Abschusspläne erstellten. Diese müssen von den Revierinhabern der Hegeringe konsequent erfüllt werden. Eine Überprüfung soll durch die Veterinärbehörden der Kreisämter erfolgen. Bei Nichterfüllung erfolgt die Verhängung eines Ordnungsgeldes.

    2. Die zuständigen Landwirtschaftsministerien müssen die revierübergreifenden Bewegungsdrückjagden auf dem Erlasswege anstatt einer unverbindlichen Willenserklärung der Jägerschaft verbindlich vorschreiben.

    3. Wird der angeordneten Abschussverpflichtung und revierübergreifenden Drückjagd nicht nachgekommen, so kann das Landwirtschaftministerium die Zwangsbejagung anordnen. In besonders schweren Fällen kann der Jagdschein eingezogen werden.

    4. Um die Revierinhaber bei ihren Aktivitäten zu unterstützen, stellt ihnen die Landesregierung auf Antrag Berufsjäger zu Seite.

    5. Zur Erreichung des Ziels soll die Jagdzeit für Schwarzwild – außer führende Bachen und Keiler – aufs ganze Jahr ausgedehnt werden.

    6. Zur Geburtenkontrolle der Wildschweinepopulation soll eine „Anti-Baby-Pille“ vergleichbar der oralen Immunisierung in der Eifel eingesetzt werden.

    7. Die „Kirrung“, d.h. das gelegentliche Anlocken mit geringen Futtermitteln zum Zweck der Bejagung von Schwarzwild, soll verboten werden. Angesichts des Klimawandels und Verdreifachung der Maisanbaufläche ist die „Kirrung“ nicht mehr zeitgemäß.

    8. Für die Schwarzwildjagd sollen Nachtsichtgeräte und Laservisiere eingesetzt werden.

    9. Insbesondere in den wildschweinereichen Waldregionen müssen Saufänge eingerichtet werden.

    10. Für die Veredlungszentren sollen Sonderregelungen gelten, wie z.B. die Abstände zu Wohngebieten und befriedeten Bezirken zu verringern.

Kontakt: Katja Ahnfeldt

Interessengemeinschaft der Schweinehalter
Deutschlands e.V. (ISN)
Kirchplatz 2
49401 Damme
Tel. 0 54 91 / 96 65 – 11
Fax: 0 54 91 / 96 65 – 19
E-Mail: ahnfeldt@schweine.net

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