Kein Urteil im Fall Hannibal

Die Hauptversammlung zum Fall des abgeschossenen Wachtels Hannibal am 10. September 2008 wurde ohne Urteil vertagt. Nach mehrstündiger Zeugenanhörung und den abschließenden Statements der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung kam sozusagen kurz vor Torschluss ein Antrag der Verteidigung, einen weiteren Zeugen zu vernehmen, dem das Gericht statt gab. Die Fortsetzung der Verhandlung  findet im Amtsgericht Ilmenau am 24. September 2008 um 8.30 Uhr statt.  

Die sehr klar strukturierte Anklage vertrat eine in allen Teilen nachvollziehbare Haltung, die durch eine Reihe von Landgerichtsurteilen neueren Datums (teils zwei Wochen alt) untermauert war:

          Herr Ißleib hat nach eigenen Angaben vor Gericht bestätigt, er habe auf einen Jagdhund, dessen genaue Rasse er nicht sicher bestimmen konnte (Münsterländer/Cocker Spaniel/ Wachtel) geschossen. Er habe damit ein im Gesetz ausdrücklich aus dem Jagdschutz herausgenommenes Tier (Jagdhund in Ausübung des Dienstes) unerlaubt getötet. Damit sei der Tatbestand einer Tötung ohne vernünftigen Grund nach dem Tierschutzgesetz erfüllt.

          Wie der Schütze vor Gericht formulierte, gehe er auf keine Drückjagden, da auf diesen das Wild nicht sauber angesprochen werden könne. Der Staatsanwalt betonte gerade auf diesem Hintergrund, dass das saubere Ansprechen eines Hundes dann um so mehr zu erwarten gewesen wäre.

          Der Tatbestand, dass der Schütze von der Jagd im angrenzenden Staatsforst eindeutig informiert war, lasse auch die Darstellung, er habe auf einen wildernden Hund (z.B. Jagdhunderasse als Begleithund) geschossen, wenig glaubhaft erscheinen.

          Dass ein Jagdhund durch ein Signalband als solcher zu kennzeichnen sei, stehe nicht im Thüringischen Jagdgesetz. Infolgedessen könne das Fehlen eines solchen auch den Abschuss nicht rechtfertigen.

          Interessant auch seine persönliche Meinung: Tierschutz gehe vor Jagdschutz!  Wildernde Hunde seien  auf anderen Wegen zivilrechtlicher Art zu begegnen.

 

Der Staatsanwalt forderte 90 Tagessätze zu 35 €. (Wobei zu ergänzen ist, dass ab 60 Tagessätzen der Jagdschein eingezogen wird.)

 

Die Verteidigung machte eher den Eindruck, durch Winkelzüge den Prozess beeinflussen zu wollen.

 

Im Schlussstatement des Hauptverteidigers wurde formuliert:

          Es sei ein Unterschied, ob nach dem Gesetz Jagdhunde „kenntlich“ oder „erkennbar“ sein sollen. Auch wenn im Gesetz von keiner Warnhalsung die Rede sei, impliziere das „Kenntlich-Sein“ eine solche.

          Selbst wenn dem nicht so sei, handle es sich lediglich um einen „Erlaubnistatbestandsirrtum“, d.h.: Der Angeklagte habe sich lediglich darin geirrt, statt eines wildernden Hundes einen Jagdhund in Dienstausübung getötet zu haben. Da inzwischen viele Jagdhunderassen als Beihunde ohne jegliche jagdliche Verwendung gehalten werden, sei eine Tötung solcher beim Wildern durchaus erlaubt. (Auf letzteren Punkt bezieht sich auch der Antrag, der zur Vertagung des Prozesses führte.)

Nach dem Motto: In dubio pro reo forderte er Freispruch.

 

Der Zweitverteidiger verstieg sich in die Denkfigur, dass der Abschuss wildernder Hunde ein Akt der Hege sei, bei der es zur Güterabwägung zwischen dem Leben des Hundes und des Wildes komme. Der Jagdschutz diene somit der in §1+2 BJagdG verankerten Hege. Diese könne dann nicht mehr ordnungsgemäß erfüllt werden. So gesehen habe der Schütze im Sinne des Tierschutzes gehandelt.

 

Der Schütze betonte:

          Er wollte mit dem Abschuss des Hundes keine Handlung gegen den Staatsforst vornehmen.

          Er habe besten Wissens auf einen „wildernden Hund“ geschossen.

          Er bedauere diesen Vorfall ausdrücklich.

 

Wir, Hans Weberberger und meine Wenigkeit, vom ÖJV Bayern waren vor Ort, um diesen richtungsweisenden Fall sozusagen direkt zu verfolgen. Unsere relativ weite Reise nach Thüringen verstehen wir auch als Solidaritätssignal an Herrn Savov und andere Hundeführer.

Es wurde uns dabei wieder einmal bewusst, dass der unselige Jagdschutzparagraph endlich abgeschafft werden sollte.

 

Dr. W. Kornder

Vorsitzender des ÖJV Bayern)

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