Nochmals: Wildschweinansturm

Der Leserbrief des ÖJV-BW-Gründungsmitglieds Hans-Friedrich Kächele in der Schwäbischen Zeitung vom 04.09.2008 zum Thema „Wildschwein Ansturm“ hat zu Diskussionen, offensichtlich auch zu Irritationen geführt.

Hierzu möchte ich im Namen des ÖJV Baden-Württemberg wie folgt Stellung nehmen:

Der ÖJV Baden-Württemberg lebt von aktiven Mitgliedern. Wir tolerieren ein pluralistisches Meinungsbild, das i.d.R. von den spezifischen Erfahrungen unserer Mitglieder geprägt ist. Redeverbote, oder die Unterdrückung von Meinungsäußerungen sind nicht der Stil des ÖJV.

Dennoch ist die private Ansicht und Meinungsäußerung eines Mitglieds nicht gleichzusetzen mit der Position des ÖJV. Die „offiziellen“ Positionen des ÖJV werden im Vorstand und Beirat intensiv diskutiert und gemeinsam beschlossen. Alle Mitglieder werden gebeten, sich an diesen Positionen zu orientieren, ggf. auch die Fortentwicklung durch konstruktive Beiträge zu unterstützen.

Konkret zu den im Leserbrief von Herrn Kächele angesprochenen Forderungen:

  • Der ÖJV lehnt den Totalabschuss im Sinne einer Ausrottung einer heimischen Wildart ab.
  • Der ÖJV fordert eine effiziente, notwendigen falls auch sehr intensive Bejagung einer Wildart, wenn dies erforderlich ist, um unzumutbare Schäden in der Land- und Forstwirtschaft abzuwenden, negative Auswirkungen auf den Naturhaushalt zu vermeiden, oder gar drohende Wildseuchen abzuwenden.
    Die effiziente und intensive Bejagung des Schwarzwildes ist in vielen Regionen des Landes dringend erforderlich. Die Bemühungen, insbesondere die Erfolge der Jägerschaft, müssen diesbezüglich noch deutlich gesteigert werden. Dies setzt eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten voraus.
  • Der ÖJV fordert eine wildbiologisch orientierte und tierschutz- konforme Form der Jagdausübung. In Bezug auf die aktuelle Situation beim Schwarzwild bedeutet dies, dass Leitbachen aufgrund ihrer wichtigen Rolle in der Sozialstruktur der Rotten und führende Bachen aus Tierschutzgründen zu schonen sind. Ansonsten sind im Rahmen der jagdgesetzlichen Möglichkeiten alle Chancen zur Erlegung von Schwarzwild konsequent zu nutzen. Das erfordert in der Praxis starke Eingriffe nicht nur in der Frischlings- und Überläuferklasse, sondern auch bei den subdominaten Bachen – sofern diese keine gestreiften Frischlinge führen.
    Die Anlage von Saufängen halten wir erst im Falle drohender Tierseuchen (Schweinpest) sozusagen als „ultima Ratio“ für ein in Erwägung zu ziehendes Mittel, um Überpopulationen in den Griff zu bekommen.
  • Der ÖJV lehnt die Fütterung und die Medikamentierung von Wildtieren als kontraproduktive Eingriffe in das Ökosystem entschieden ab.
    Damit lehnt der ÖJV auch die hormonelle Behandlung von Wildschweinen zur Populationsregulierung ab! Wildpopulationen auf einem landeskulturell angepasstem Niveau zu halten ist eine originäre Aufgabe der Jagd und muss es auch bleiben.

Die Bewältigung der aktuellen Schwarzwildproblematik ist eine herausragende Aufgabe der gesamten Jägerschaft. Nur durch ein kooperatives Verhältnis aller Jäger lassen sich Forderungen nach revierübergreifenden Drückjagden, der erforderliche Hundeeinsatz, die dringend notwendige Begrenzungen bei der Anlage und Beschickung von Kirrungen sowie Verzicht auf Fütterungen umsetzen. Diesem Problem sollten sich alle Jäger stellen.

Prof. R. Wagelaar

1. Vorsitzender

ÖJV Baden-Württemberg

Dieser Beitrag wurde unter Jagdpraxis, Jagdverbände abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Nochmals: Wildschweinansturm

  1. hans sagt:

    Hallo,
    was sind subdominante Bachen, und wie erkenne ich die z.B nachts bei Mondschein oder bei einer Drückjagd wenn die Rotte gesprengt ist?

    Hans Webersberger

  2. admin sagt:

    Lieber Hans
    Wenn Du nicht erkennst, ob es die Leitbache oder eine führende Bache ist, kann man auch bei „Wildschweinansturm“ den Finger gerade lassen.

    Gruß Rolf

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.