NABU und BUND: „Jagd- und Wildtiermanagementgesetz ist Schritt nach vorne“

Im parlamentarischen Verfahren muss beim Naturschutz noch deutlich nachgebessert werden

Stuttgart – Die Umweltverbände BUND und NABU sehen den heute (30.9.) vom Kabinett freigegebenen Entwurf des Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetzes als einen Fortschritt gegenüber dem bestehenden Landesjagdgesetz. „Das geplante Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetz berücksichtigt viele Forderungen der Wildtierökologie, des Tier- und Naturschutzes und ist im Vergleich zum Status quo ein wichtiger Schritt nach vorne“, sagen die Landesvorsitzenden von NABU und BUND, Dr. Andre Baumann und Dr. Brigitte Dahlbender. Allerdings sei die grün-rote Landesregierung dem Landesjagdverband (LJV) in den vergangenen Wochen sehr weit entgegengekommen. Defizite sehen die Umweltverbände beispielsweise noch beim Thema Wildruhe sowie bei der Zuständigkeit für streng geschützte Tierarten. Dahlbender und Baumann fordern die Mitglieder des Landtags auf, das Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetz auf den Weg zu bringen und dabei im parlamentarischen Verfahren noch Kurskorrekturen im Naturschutz vorzunehmen.

Zu den wichtigsten Fortschritten im neuen Gesetz zählen die Einschränkungen bei der Wildfütterung: „Die Wildfütterung ist ökologisch und ökonomisch problematisch und dazu in den meisten Fällen wildbiologischer Unsinn“, sagt NABU-Landeschef Baumann. Wild müsse wild leben. Durch Fütterungen würden Wildbestände künstlich aufgebaut, was zu großen Schäden an Waldökosystemen führe: „Die nächste Baumgeneration von Buchen und Tannen ist zu schade, als dass sie im Pansen von Reh und Hirsch endet“, betont Baumann.

Auch im Tierschutz gibt es aus Sicht der Umweltverbände einige Fortschritte: „Es ist gut, dass der Abschuss von freilaufenden Hunden und Katzen durch Jäger verboten wird“, sagt BUND-Landesvorsitzende Dahlbender. Diese Abschüsse seien aus Naturschutzsicht überflüssig. „Die Bestände von Feldlerche, Kiebitz und Co. werden durch das Abschießen von Katzen und Hunden durch Jäger nicht vergrößert werden“, erläutert Dahlbender. Stattdessen geben Jägerinnen und Jäger bei Abschüssen streng geschützter Wildkatzen und Wölfe immer wieder an, diese mit streunenden Hauskatzen und wildernden Hunden verwechselt zu haben. „Es kann nicht sein, dass sich der BUND für die seltenen Wildkatzen einsetzt und Jäger sie ungestraft über den Haufen schießen“, sagt die BUND-Landesvorsitzende.

Die Zugeständnisse der Landesregierung gegenüber dem LJV bei der winterlichen Wildruhe im Wald schmerzen die Verbände. „Es ist zwar gut, dass mit dem neuen Gesetz in den meisten Waldbereichen des Landes Rehe, Wildschweine und Hirsche von März bis April Winterruhe halten und ihren Stoffwechsel auf Sparflamme absenken können“, betont Baumann. Die beiden Umweltverbände hatten jedoch ursprünglich eine deutlich längere und konsequentere Wildruhe gefordert. „Es ist bedauerlich, dass die Wildruhe im Wald von zunächst drei auf zwei Monate gekürzt und dann an den Waldrändern auch noch stark aufgeweicht wurde. Wir befürchten, dass es mit der jetzt gewählten Regelung, während der Wildruhezeit bis zu 200 Meter in den Wald hinein jagen zu dürfen, zu vielen Missbrauchsfällen kommen wird“, erläutert Baumann. Durch die Wildruhe verbrauchen Wildtiere weniger Energie und richten in der nahrungsarmen Zeit weniger Schäden an Wiesen und empfindlichen Waldökosystemen an.

Die BUND-Landesvorsitzende Dahlbender sieht im aktuellen Gesetzentwurf noch deutliche Defizite bei der Beteiligung des Naturschutzes in Bezug auf streng geschützte Tierarten: „Für Wildkatze, Auerhuhn und andere streng geschützte Tierarten muss die Naturschutzverwaltung federführend zuständig sein. Zudem sollten Umweltverbände besser beteiligt werden.“ Im parlamentarischen Verfahren müsse der Gesetzentwurf nachgebessert werden, damit Naturschutz und Jagd optimal zusammenarbeiten könnten. So sei der Wildtierbericht, der die fachliche Grundlage des Jagdmanagements ist, bei streng geschützten Arten durch die Naturschutzverwaltung zu erstellen. Wenn das Jagd- oder Wildtiermanagement streng geschützter Art geändert werden solle, müsse der Landesbeirat für Natur- und Umweltschutz beteiligt werden.

Kontakt für Rückfragen:

• Dr. Andre Baumann, NABU-Landesvorsitzender, Tel. 0162/9386785

• Dr. Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende, Tel. 0171/9341336

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