Abschussverbot für Haustiere

KatzeDer ÖJV tritt für ein Verbot des Abschusses von Hunden und Katzen ein. Die geltenden, sehr großzügigen, vom Konkurrenzdenken der Jägerschaft bestimmten Regelungen werden der Achtung der Würde des Tieres als Mitgeschöpf und den tatsächlichen Problemfällen nicht gerecht. Eventuell auftretende Probleme sind nicht mit der Flinte, sondern mit vernünftigen ordnungspolitischen Maßnahmen zu regeln. In Gebieten mit Vorkommen von Wildkatzen ist die Gefahr des versehentlichen Abschusses von Wildkatzen ein weiteres Argument gegen den Katzenabschuss. 

Das muss aber nicht bedeuten, dass der Willkür von verantwortungslosen TierhalterInnen Tür und Tor geöffnet ist. In diesem Zusammenhang wurde seitens des ÖJV stets betont, dass eine geregelte, auch gegenüber der freilebenden Natur verantwortliche Tierhaltung zu fördern und zu fordern, erforderlichenfalls auch durch ordnungsrechtliche Maßnahmen zu sanktionieren ist.

Auch bei KatzenhalterInnen muss sich das Verantwortungsbewusstsein dafür verbessern, was diese außerhalb ihres Einwirkungsbereichs tun. Zumindest für Katzen, mit denen nicht gezüchtet werden soll und die ausschließlich oder überwiegend außerhalb des Hauses gehalten werden, sollte außerdem eine Kastration bzw. Sterilisation erfolgen, um eine Etablierung oder ein weiteres Wachstum von evtl. Wildpopulationen von Hauskatzen zu verhindern.

Für das Vorkommen und die Dichte von Niederwild (v.a. Feldhase, Rebhuhn , Fasan) sind in erster Linie die Lebensraumqualität und die Bewirtschaftungsintensität ausschlaggebend, nicht das Vorhandensein von Prädatoren.

Im 2010 in Kraft getretenen, relativ fortschrittlichen Landesjagdgesetz von Rheinland-Pfalz ist die Tötung von Katzen folgendermaßen geregelt:
Die in Absatz 2 genannten Personen sind befugt, wildernde Hauskatzen, die in einer Entfernung von mehr als 300 Meter vom nächsten Wohnhaus angetroffen werden, zu töten. Hauskatzen gelten als wildernd, soweit und solange sie erkennbar dem Wild nachstellen und dieses gefährden. Dieses Recht gilt nicht gegenüber Hauskatzen, die sich erkennbar in menschlicher Obhut befinden und sich durch andere Maßnahmen als der Tötung vom Wildern abhalten lassen.
Im Vergleich zur alten Regelung, nach der nur der Mindestabstand von 300m galt, ist hier schon ein Fortschritt hinsichtlich des Nachweises des Wilderns zu sehen, der uns allerdings noch nicht weit genug geht. Aber da beim Wildern nur jagdbares Wild gemeint ist, ist der Nachweis nicht leicht, so dass der legale Abschuss deutlich erschwert, wenn nicht nahezu unmöglich gemacht wird.
Kommentar des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz:
…An vielen Stellen sei in dem Entwurf zwar die Stärkung des Natur- und Tierschutzes ansatzweise erkennbar, aber dort, wo es der Politik nicht opportun erscheine, gebe man sich halbherzig. Im Hinblick darauf, dass der Erholungsdruck zum Nachteil von Natur und Tierwelt stetig größer werde, böte es sich an, im Wald endlich ein generelles Wegegebot und während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit endlich ein Anleingebot für Hunde festzuschreiben. Darüber hinaus stört sich die Jägerschaft an den verwässerten Abschussvorgaben für wildernde Hunde und Katzen. „Hier führt falsch verstandener Tierschutz zum genauen Gegenteil“, wettert der LJV-Präsident. „Zahlreiche von Hunden gerissene Jungtiere und trächtige Alttiere sowie massenhaft von verwilderten Katzen ausgeraubte Bodenbrüter- und Singvogelnester bekräftigen die Notwendigkeit zu handeln“, so Michael weiter. Stattdessen machten die vorgesehenen stringenten und einengenden Formulierungen die Jagd- und Tierschutzaufgaben nahezu unmöglich. Denn durch entsprechende Beweislastklauseln soll das bisherige Recht, wildernde Hunde und Katzen zu erlegen, praktisch völlig abgeschafft werden. …

Seitens derjenigen Teile der Jägerschaft, die auf der bestehenden Regelung beharren, wird einerseits argumentiert, dass der Haustierabschuss nur in den seltensten Fällen, quasi als ultima ratio, gebraucht wird – dann wäre auch eine Einzelfallregelung mit Erlaubnis der zuständigen Behörde zumutbar. Andererseits wird behauptet, dass Hunde und Katzen die freie Landschaft geradezu überschwemmten und nur durch das verantwortungsbewusste Eingreifen unermüdlicher Heger noch ein Gleichgewicht in Feld und Flur herrsche und der Schutz seltener Arten möglich wäre. Dann stimmten auch die Zahlen von Abertausenden geschossener Haustiere, die gegenüber Tierschutzvertretern jedoch hartnäckig geleugnet werden.
Die Realität liegt sicher irgendwo in der Mitte. Der Abschuss von Katzen ist meist Schießsport auf lebende Ziele, wenn beim abendlichen Ansitz das Büchsenlicht zu gering ist, um die Bocktrophäe noch richtig ansprechen zu können, ist die Kompensation von jagdlicher Langeweile und Frust, wenn sonst nichts los ist, ist wohl auch einmal die Hoffnung auf einen Hasen mehr auf der Strecke.

Elisabeth Emmert, ÖJV-Bundesvorsitzende
23.03.2014

 

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