Umwelt- und Tierschutzverbände fordern Nachbesserungen im Landesjagdgesetz

Fünf Kernforderungen sollen Tier- und Naturschutz stärken

Stuttgart – Das neue Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetzes (LJWmG) wird von BUND, NABU, Landestierschutzverband und Ökologischem Jagdverband begrüßt, müsse an einigen Stellen aber noch nachjustiert werden. In einer gemeinsamen Stellungnahme legen die Verbände ihre Kernforderungen zum ersten Entwurf des LJWmG dar: „Viele Punkte konnten wir nur mit Bauchschmerzen mittragen, aber wir sehen den Entwurf als einen Kompromiss an, der im Vergleich zum alten Gesetz viele Verbesserungen beinhaltet“, sagten die Verbände auf der Landespressekonferenz am heutigen Montag (12. Mai).

 

Die scharfe Kritik vieler Jäger können die Verbände nicht akzeptieren. Der Landesjagdverband war ebenso wie alle anderen aktiver Teilnehmer des Beteiligungsverfahrens und habe viele seiner Forderungen durchgesetzt. „Es gibt durchaus Jägerinnen und Jäger, die den Gesetzentwurf begrüßen“, sagt Christian Kirch, Vorsitzender des Ökologischen Jagdverbandes in Baden-Württemberg. „Wir Jäger verstehen uns auch als Naturschützer und werden in dieser Rolle mit dem neuen LJWmG gestärkt – das finden wir gut.“

Der Landesjagdverband solle seine Aufgabe als Naturschützer ernst nehmen, das Kriegsbeil endlich begraben und in einen konstruktiven Dialog treten, forderten Baumann, Brückner, Dahlbender und Kirch.

Die Kernforderungen der vier Verbände:

1. Mehr Tierschutz – Jagd nur mit vernünftigem Grund

Eines der Ziele der Gesetzesnovelle ist die Stärkung des Tierschutzes, der seit 2002 im Grundgesetz verankert ist. Der Gesetzesentwurf enthält zwar eine Reihe von Verbesserungen, wie etwa das Verbot von Totschlagfallen oder Einschränkungen beim Haustierabschuss, bei der Liste der jagdbaren Tierarten ist der Tierschutz jedoch nicht umgesetzt. „Das Staatsziel Tierschutz muss konsequent verfolgt werden“, fordert James Brückner vom Tierschutzbund. „Das bedeutet, dass kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf – im Gesetzentwurf ist das zum Beispiel beim Hermelin oder bei den Rabenvögeln nicht umgesetzt worden. Hier besteht dringend Verbesserungsbedarf!“ Die Tierartenliste des Nutzungsmanagement müsse grundlegend auf das Vorhandensein eines vernünftigen Grunds untersucht und überarbeitet werden.

2. Klare Zuständigkeiten im Naturschutz

Das neu eingeführte Wildtiermanagement soll die Aktivitäten und Bemühungen der Jäger und Jägerinnen für geschützte und bedrohte Arten unterstützen. Das geschieht mit Hilfe des Wildtierberichts, der alle drei Jahre veröffentlicht werden soll und Empfehlungen für den Umgang mit den Tieren des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes ausspricht. Damit es keine Überschneidungen und Doppelstrukturen gibt, fordern die Verbände eine klare Aufgabenverteilung beim Verfassen des Wildtierberichts. „Für streng und europarechtlich geschützte Arten muss die Naturschutzverwaltung die Federführung behalten“, fordert Andre Baumann vom NABU. „Für uns ist das schon eine schwer zu schluckende Kröte, da wir eigentlich von Anfang an gefordert hatten, dass streng geschützte Arten wie Luchs, Wildkatze oder Auerhuhn nicht in das Jagdrecht zu übernehmen sind.“ In Zeiten knapper Kassen könnte man sich keine Doppelstrukturen im Naturschutz leisten. Statt Ressourcen für eine parallele Naturschutzverwaltung in der Jagdverwaltung auszugeben, sollten sie besser für Auerhühner und Luchse genutzt werden.

 3. Kopplung der Abschussziele an forstliche und ökologische Gutachten

Um den Wald besser vor zu starkem Wildverbiss durch Rehe zu schützen, sieht der Gesetzentwurf vor, die staatlichen Abschusspläne für Rehe durch privatrechtliche Zielvereinbarungen zwischen Jagdpächter und Verpächter zu ersetzten. „Diese Flexibilisierung des Managements ist aus unserer Sicht positiv, ohne eine gewisse Verbindlichkeit der Vorgaben droht dieser Schuss aber nach hinten loszugehen“, sagt Christine Fabricius vom BUND. Die Verbände fordern daher, die Abschussziele an die Entwicklung des Waldes und bedrohter Pflanzenarten zu koppeln. „Der Zustand der Vegetation muss der Maßstab sein, an dem sich das Wildtiermanagement und die Jagd ausrichten“, fordert Fabricius. Vegetationsgutachten zum Monitoring des Wildverbisses im Wald sollten deswegen verbindlich alle drei Jahre für jeden Jagdbezirk von den unteren Jagd-, Forst- und Naturschutzbehörden herausgegeben und im Internet veröffentlicht werden. Für bedrohte Pflanzenarten der Feldflur, die lokal durch Wildverbiss beeinträchtigt werden, sollten die Behörden darüber hinaus bei Bedarf ökologische Gutachten anfertigen können, die Vorgaben für die Abschussziele und das Wildtiermanagement beinhalten. Diese Vorgaben sollten für Jagdausübungsberechtigte obligatorisch sein.

4. Fütterungsverbot und Jagdruhe

Vom 15. Februar bis zum 15. April dürfen Tiere im Wald nicht bejagt werden – so steht es im Gesetzentwurf. Außerdem soll die Wildfütterung nur noch auf Grundlage von wissenschaftlich fundierten Konzepten möglich sein. „Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, zwei Monate Jagdruhe sind aber zu kurz“, sagt ÖJV-Chef Christian Kirch. „Aus unserer Sicht müsste die Phase der winterlichen Jagdruhe mindestens drei Monate – von Anfang Februar bis Ende April – dauern. So können die Tiere im Winter ihren Stoffwechsel herunter fahren und benötigen deswegen auch weniger Nahrung“, erklärt er. Verbissschäden in Feld und Wald könnten so reduziert werden. Auf Fütterungen von Wildtieren sollte verzichtet werden. „Wild soll wild leben. Jagd sollte keinen Freilandzoo mit Reh und Wildsau aufbauen.“

 5. Abschuss von Hunden und Katzen

Das neue LJWmG wird die Hürden für den Abschuss von Haustieren zwar erhöhen, sieht aber nach Ansicht der Verbände noch zu viele Ausnahmen vor. Die Verbände fordern ein klares Abschussverbot von Haustieren. „Es ist antiquiert, dass ein Jäger unkontrolliert über Leben und Tod von Hunden und Katzen anderer entscheiden darf“, sagen die Verbände. Immer wieder fänden illegale Abschüsse von streng geschützten Wildkatzen und Wölfen statt, weil sie angeblich mit Hund und Hauskatze verwechselt worden seien. „Jäger dürfen sich nicht mehr herausreden können, dass sie den Wolf mit einem Hund und die Wildkatze mit einem Stubentiger verwechselt haben.“ Wesentlich effektiver seien außerdem flächendeckende Kastrationsprogramme für freilebende Katzen, wie es das Tierschutzgesetz vorsieht, um Konflikte mit dem Naturschutz zu reduzieren. Für uneinsichtige Hundehalter, deren Hunde Wildtiere gefährden, schlagen die Verbände zum Beispiel die Wegnahme wildernder Hunde sowie ein Hundehaltungsverbot vor.

Weitere Informationen zu den Kernforderungen entnehmen Sie bitte unserem Hintergrundpapier, das Sie als PDF anbei sowie hier finden:

www.NABU-BW.de/download/2014-05-12_Kernforderungen_Landesjagdgesetz.pdf

Für Rückfragen:

– Dr. Andre Baumann, NABU-Landesvorsitzender, mobil: 0162 / 938 67 85

– James Brückner, Deutscher Tierschutzbund, mobil: 0151 / 20673134

– Christine Fabricius, BUND-Naturschutzreferentin, 0711 620306-14

– Christian Kirch, Vorsitzender ÖJV, mobil 0173/3263114

 

 

 

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