Stellungnahme des Ökologischen Jagdverbands zu umstrittener ZDF-Sendung: „Jäger in der Falle“ aus eigenen Interessen und gesellschaftlichem Anspruch

Kritische ZDF-Sendung trotz Schwächen mit richtigem Tenor – ÖJV steht zu einer modernen Jagd mit Dienstleistungsfunktion

Großes Echo hat die ZDF-Sendung „Jäger in der Falle“ vom 19. Januar ausgelöst. Die Jäger fühlen sich von den Journalisten voreingenommen und schlecht behandelt. Der Bericht sei äußerst einseitig und trotz entsprechender Angebote seitens der Jägerschaft mangelhaft recherchiert worden – insgesamt sei die Stimmung in den Medien „jagdfeindlich“. In die gleiche Kategorie wird seitens der Jäger die MDR-Reportage „Gejagte Jäger – Zwischen Naturliebe und Blutsport“ vom 26. Februar eingeordnet.

Der Ökologische Jagdverband als Vertreter fortschrittlicher, am Naturhaushalt orientierter Jäger, Naturschützer, Land- und Waldbesitzer stellt dazu fest:

Beide Berichte  arbeiten eine Vielzahl von Fehlentwicklungen in der Jagd richtig heraus. Der ÖJV sieht viele dieser Fehlentwicklungen ebenfalls und kritisiert diese seit langem. Hierzu gehört der Unwille weiter Kreise der Jägerschaft, die eigenen Ziele der in Deutschland überwiegend als Hobby betriebenen Jagd richtig in die gesellschaftlichen Notwendigkeiten einzuordnen. Die Natur verkommt dabei zur Kulisse für ein Hobby, Kernaufgaben der Jagd wie die Verhinderung von Wildschäden insbesondere im Wald werden von der Jägerschaft nicht ernst genommen. Im Gegenteil: Das eigene Interesse an hohen, einfach zu bejagenden Wildbeständen führt dazu, an überholten Abschusskriterien, übervorsichtigen und damit unternutzenden Abschussquoten und Futtergaben im Winter festzuhalten und die aus Sicht des ÖJV dringend nötige Absenkung der Schalenwildbestände zu blockieren. Auf der anderen Seite werden eigene „Konkurrenten“ wie Fuchs, Waschbär und Co nach wie vor fernab jeder Ethik auf das Übelste verfolgt und entsorgt. Hierfür werden sehr dünne Argumentationsketten benutzt, die auf immer weniger Akzeptanz stoßen.

Im Gegensatz zu der insgesamt runden und gelungenen MDR-Reportage hat der ZDF-Bericht „Jäger in der Falle“ hat jedoch auch redaktionelle Schwächen. So hat z.B. der gezielte Nadelholzanbau in Deutschland andere wirtschaftliche Hintergründe als die Höhe der Wildbestände. Auch werden die positiven Wirkungen auf die Natur insgesamt, insbesondere den Wald, nicht herausgearbeitet, die eine ökologisch orientierte Jagd bewirken kann. Die ökologisch vorteilhafte Nutzungder RessourceWildfleisch im Gegensatz zu konventionellem Tierhaltungsfleisch wird leider auch nicht thematisiert.

Insgesamt erstaunt es jedoch einmal mehr, dass sich die Jäger völlig zu Unrecht kritisiert sehen, zumal sie es mehr als ungeschickt versäumt haben, dem ZDF-Redakteur aus erster Hand zu berichten bzw. Rede und Antwort zu stehen. Der ausschließliche und selbstgerechte Verweis auf die jahrtausendealte Tradition des menschlichen Jagens reicht nicht mehr aus, um nicht mehr zeitgemäße Jagdpraktiken und ausufernde Wildbestände zum eigenen Vergnügen und zu Lasten von Natur und Landschaft zu rechtfertigen.

Die Jäger zeichnen sich selbst in vielen Veröffentlichungen durch die Stigmatisierung Andersdenkender aus, bei der Fakten und Recherche keinerlei Rolle spielen. „Lieblingsfeind“ ist  neben der Partei Bündnis 90 / Die Grünen der ÖJV, der als Nestbeschmutzer gilt. ÖJV-Mitglieder werden durch die Jagdverbände und Jagdmedien verunglimpft, weil sachliche Argumente fehlen und weil sich das bei der Klientel augenscheinlich gut verkaufen lässt. Der ÖJV hält kritische Berichterstattung für unverzichtbar, wenn die Jagd sich weiterentwickeln und nicht eines Tages selbst verzichtbar sein soll. Wir fordern die Jäger auf, endlich im 21. Jahrhundert anzukommen und ihr Tun der gesellschaftlichen Realität anzupassen!

Der ÖJV steht mit seinen Positionen und Handlungsweisen für eine moderne, tierschutzgerechte und gleichzeitig pragmatische und professionelle Jagdausübung. Dies bedeutet für uns auch die deutliche Abgrenzung von den eher esoterisch anmutenden Ansätzen des im Beitrag auftretenden Försters Wohlleben.

Der ÖJV stellt die Dienstleistungsfunktion der Jagd in den Mittelpunkt. Eine solche Jagd bewirkt für den Naturhaushalt und den mit ihr wirtschaftenden Menschen viel Positives und ist unverzichtbar, wie eindrucksvolle Beispiele sowohl im Privateigentum als auch in der öffentlichen Hand belegen. Auch das Wild profitiert von moderner und professioneller Jagd, in dem die Jagdzeiten reduziert und die Qualität der Lebensräume verbessert werden.

ÖJV – Die Jagd braucht ein neues Leitbild!

 

 

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