UNESCO Kulturerbe Falknerei

Bericht zur Veranstaltung der Regionalgruppe Baar-Obere Donau-Bodensee im ÖJV Baden-Württemberg vom 14.9.2013 über das UNESCO Kulturerbe Falknerei.

Etwa 15 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer trafen sich am 14.9.2013 zu einem Seminar über die Falknerei. Dem Regionalgruppenvorsitzenden Ulrich Zepf war es gelungen, Herrn Daniel Georg Müller, den ersten Vorsitzenden des Landesverbandes Baden Württemberg des Verbandes Deutscher Falkner (VDF), für einen Vortrag zu gewinnen. Im Hinblick auf die Novellierung des Landesjagdgesetzes wird auch über das Fortbestehen und die zukünftige Gestaltung der Falknerei im „Ländle“ beraten und diskutiert. Die Meinungen gehen diesbezüglich weit auseinander. Aus diesem Grunde war Herrn Zepf sehr an einer objektiven Informationsveranstaltung gelegen, die professionell und sachlich Einblicke in die Geschichte und Praxis des UNESCO-Kulturerbes Falknerei ermöglichen sollte.

Herr Müller gliederte seinen Vortrag in zwei größere Teile. Die erste Hälfte seiner Ausführungen befasste sich ausführlich mit der kulturgeschichtlichen Bedeutung der Falknerei. Er thematisierte ihre Wurzeln, die bis ins zweite vorchristliche Jahrtausend zurückgehen, ihre Ausbreitung und ihre Bedeutung im feudalen Jagdwesen des Mittelalters, wobei er besonders auf die Person Kaiser Friedrichs II.  (1194-1250) und sein bedeutendes Werk „De arte venandi cum avibus“  einging, bis hin zu einer weiteren Blütezeit in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Hof von Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, welcher der Falknerei eine außerordentlich hohe Bedeutung beimaß und das größte europäische Falknercorps aufbaute.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen thematisierte Herr Müller Aspekte der praktischen Falknerei, wie Tierhaltung, Training, Beizjagd, Tier- und Artenschutz. Nachdem der Referenz nochmals kurz die Faszination der Beizjagd beschrieb und erklärte, erläuterte er ausführlich, welche Voraussetzungen ein Beizjäger erfüllen muss, wenn er diese Jagd ausüben, beziehungsweise Greifvögel halten möchte. Müller ließ keinen Zweifel daran, dass sowohl die Ausbildung und Prüfung der Falkner auf sehr hohem Niveau stattfindet, als auch die Auflagen bezüglich der Beschaffung und Haltung von Beizvögeln sehr streng sind. Er kam daher zu der Einschätzung, dass es sich dabei um die restriktivste Tierhaltung in Deutschland handele, wobei Haltung und Training auch nach heutigen Maßstäben artgerecht seien. Neben ihrer kulturhistorischen Bedeutung erläuterte der Referent auch  aktuelle Möglichkeiten moderner Falknerei, wie z.B. biologische Schädlingsabwehr, Kultur- und Naturpädagogik, therapeutische Möglichkeiten etc..

Herr Müller beendete seinen spannenden Vortrag mit einem Zitat von Horst Stern: Das Spiel mit dem Federspiel. Das ist die Vorbereitung des Vogels auf den Jagdflug. Aus der Fresskumpanei zwischen Falke und Falkner, auf der ursprünglich einmal die Jagdart begründet war, wird reine zwecklose Kunst, die ästhetische Bilder von hohem Reiz liefert. Dahinter stehen Jahrhunderte menschlicher Geduld im Spiel mit einem der freiesten Geschöpfe der Erde. Wer das verbieten will, hat sich nur oberflächlich mit dem menschlichen Kulturgut Falknerei beschäftigt. Ein Verbot würde auch nichts nützen. Es wird immer Männer geben, die mit Leidenschaft der schwierigsten Kunst anhängen werden, die denkbar ist: Ein lebendiges Geschöpf an sich zu fesseln, in dem man ihm immer wieder die Freiheit gibt.

Im Anschluss an den Vortrag, der an einigen Stellen durch interessante Beiträge und Diskussionsanregungen aus der Zuhörerschaft unterbrochen wurde, stellte Herr Müller noch einige Vögel vor. Zum Abschluss konnten die Tagungsteilnehmer den Trainingsflug eines Wanderfalken bestaunen. Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung. Daniel Müller gewährte spannende Einblicke in seine Passion und trug dazu bei, dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein fundiertes Bild von der Falknerei machen konnten.

 

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