Waldzustandsbericht: Klimawandel und Jagd sind Hauptprobleme

NABU: Neues Jagdgesetz wäre Teil einer Klimaanpassungsstrategie für den Wald
Stuttgart – Zum heute veröffentlichten Waldzustandsbericht sagt NABU-Landeschef Dr. Andre Baumann: „Es ist erfreulich, dass sich der Gesundheitszustand von Tanne und Fichte erholt hat. Damit zeigt die konsequente Luftreinhaltepolitik der vergangenen Jahrzehnte ihre Wirkung. Waren es früher vor allem Schwefeldioxid-Immissionen, die dem Wald übel zusetzten, bereiten uns heute der Klimawandel und die hohen Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft und Verkehr große Sorgen.“ Zusätzlich behindere in vielen Forstrevieren der Wildverbiss den Aufbau klimastabiler Wälder.

„Wir müssen den Wald auf das Klima von morgen vorbereiten“, sagt NABU Waldreferent Johannes Enssle. „Dies geschieht am besten durch eine kleinräumige Bewirtschaftung, die auf flächenhafte Räumungen des Altholzes verzichtet.“ Dass ForstBW hier bereits nachgesteuert habe und sich von kahlschlagähnlichen Räumungshieben verabschiedet hat, sei daher sehr zu begrüßen.

Auch die Jagd müsse beim Thema Klimastabilität in den Fokus gerückt werden. „Seltene Baumarten wie Elsbeere oder Bergahorn, aber auch Eiche und Tanne gelten als Hoffnungsträger im Klimawandel. Sie haben in vielen Forstrevieren aber kaum eine Chance, weil sie von Rehen weggefressen werden“, erklärt Enssle. Dieses ‚Waldsterben von unten‘ müsse im Hinblick einer Risikostreuung gestoppt werden. „Wenn viele Baumarten in unseren Wäldern vorkommen, ist die Gefahr geringer, dass mit dem Ausfall einer Art der Wald gefährdet wird.“

Den Wildverbiss durch Rehe und Hirsche betrachtet der NABU deswegen als Problem, dass prioritär gelöst werden muss. Baumann setzt große Hoffnung auf die anstehende Novelle des Landesjagdgesetzes: „SPD und Grünen müssen die notwendigen Anpassung im Landesjagdgesetz durchsetzen und dadurch den Wald auf den Klimawandel vorbereiten.“

Das Jagdgesetz wäre ein wichtiger Baustein für eine Klimaanpassungstrategie für den Wald. Der NABU fordert die Regierungsparteien daher auf, die Novelle des Landesjagdgesetzes nicht aus parteitaktischen Gründen aufs Spiel zu setzen.

Für Rückfragen:

Johannes Enssle, NABU-Waldexperte, 0711 / 66 72-27

 

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