Die Afrikanische Schweinepest breitet sich aus Russland beunruhigend in Richtung Europäische Union aus

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine der wichtigsten anzeigepflichtigen,
hochansteckenden Seuchen bei Hausschweinen und Schwarzwild. Sie zeichnet sich
durch eine hohe Sterblichkeit, schwere sozioökonomische Konsequenzen sowie eine
unvorhersehbare Verbreitung aus. Für andere Tierarten und den Menschen ist die
ASP ungefährlich. Anders als bei der Klassischen Schweinepest, die in den vergangenen
10 Jahren in Rheinland-Pfalz vorkam, steht zur Bekämpfung der Afrikanischen
Schweinepest kein Impfstoff zur Verfügung. Die ASP kann nur durch Tötung und unschädliche Beseitigung der Schweine bekämpft werden.
Vorkommen
Die ASP kommt in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara vor und flammt
dort immer wieder epidemieartig auf. Hier sind neben den Schweinen auch Lederzecken
(Gattung Ornithodorus) in den Infektionszyklus involviert. Darüber hinaus waren
einige Länder Südamerikas, der Karibik und vereinzelt Europas betroffen, wo die Erkrankung jedoch wieder getilgt werden konnte. Nur auf der italienischen Mittelmeerinsel
Sardinien ist die ASP seit Jahren bei Haus- und Wildschweinen vorhanden. In
Deutschland kam die Afrikanische Schweinepest noch nie vor.
Seit 2007 breitet sie sich im Kaukasus und Russland rasch aus. Mittlerweile sind der
Iran, Georgien, Armenien, Aserbaidschan und seit dem 30.07.2012 auch die Ukraine
betroffen. Vermutlich wurde das Virus dort durch Personen eingeschleppt, die Lebensmittel vom Schwein aus Russland eingeführt hatten. Mit dem Ausbruch der ASP
in der Ukraine ist der Tierseuche ein Sprung nach Westen gelungen. Die Gefahr einer
Einschleppung des russischen ASP-Virustyps in die EU steigt damit an.
Erkennen
Rein äußerlich ist die ASP nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP) zu unterscheiden. Im Labor wird sie durch den Nachweis von Virus oder Antikörpern festgestellt. Die klinischen Symptome (unter anderem hohes Fieber, Apathie, Festliegen, Zittern, Fressunlust, blutiger Durchfall, Atemprobleme, Blutungen vor allem in Haut,
Lymphknoten, Blase, Darm, Milz) können in Abhängigkeit von der Virulenz der Stämme
sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von deutlichen Veränderungen mit hoher
Sterblichkeit bis hin zu kaum erkennbaren Verläufen. Die Tiere verbreiten das Virus
bereits ab dem 1. bis 4. Tag nach einer Infektion durch ihren Kot, Urin, Speichel, Sekrete
aus Nase und Lunge sowie insbesondere durch ihr Blut und infizieren so weitere
Schweine. Aktuelle Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts mit dem in Russland grassierenden ASP-Virustyp haben gezeigt, dass Wildschweine aller Altersklassen erkranken und nach spätestens zehn Tagen an der Seuche sterben. Das gleiche trifft auf die Hausschweine zu.
Probenahme
Beim Auffinden oder Erlegen eines verdächtigen Wildschweins in Rheinland-Pfalz
sind Proben (Herzblut, Tonsille, Lymphknoten, Milz, Niere, Lunge) – besser noch das
komplette Tier – an das Landesuntersuchungsamt in Koblenz (Institut für Tierseuchendiagnostik, Blücherstraße 34, 56073 Koblenz, Telefonzentrale 0261 / 9149-599) zu senden. Gleiches gilt bei einem Verdacht bei Hausschweinen. Die Tiere werden im Landesuntersuchungsamt auf Klassische und Afrikanische Schweinepest untersucht. Dem Einsender entstehen für die Untersuchungen keine Kosten. Im Verdachtsfall ist das Veterinäramt zu verständigen.
Einschleppung
Der Verhinderung einer Einschleppung der ASP in die deutschen Haus- und Wildschweinbestände kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Da die Einfuhr lebender
Schweine und frischen Schweinefleisches aus den betroffenen Ländern in die Europäische
Union gegenwärtig nicht gestattet ist, geht ein vorherrschendes Einschleppungsrisiko
des Erregers insbesondere von illegal im Personen- und Güterreiseverkehr
mitgeführten ASP-Virus kontaminierten Lebensmitteln (z.B. Fleisch, Salami und
andere Rohwürste), Speiseabfällen und Trophäen von Schwarzwild (Jagdtourismus)
aus. Weiterhin stellen kontaminierte und unzureichend desinfizierte Transportfahrzeuge,
die aus betroffenen Gebieten zurückkehren, ein erhöhtes Einschleppungsrisiko
dar. In unbehandeltem Fleisch und Fleischerzeugnissen, auch in gepökelten und geräucherten Waren, hält sich das Virus Wochen bis Monate, im Blut bis zu 18 Monate,
in Kot bis zu 100 Tagen.
Bekämpfung
Ein Ausbruch der ASP in Deutschland hätte schwerwiegende Auswirkungen auf die
Schweinehaltung. Gegenwärtig stehen nur die Tötung und unschädliche Beseitigung
der infizierten und ansteckungsverdächtigen Schweine sowie weitreichende Handelsrestriktionen als wesentliche Mittel der Seuchenbekämpfung zur Verfügung (gemäß nationaler Schweinepest-Verordnung). Sollte die ASP im Wildschweinbestand auftreten wird die Bekämpfung sehr schwierig bis unmöglich. Die deutschlandweit sehr hohen Wildschweindichten würden eine schnelle Ausbreitung der ASP begünstigen. Das
Wildschwein als Aasfresser könnte sich an den Kadavern anderer an ASP verstorbener
Wildschweine infizieren und die Infektionskette so fortsetzen.
Impfstoffe für Haus- oder Wildschweine existiert nicht. Das Virus ist in der Umwelt
sehr widerstandsfähig und wird erst durch Temperaturen von 75 °C oder entsprechende
Desinfektionsmittel sicher abgetötet.
Jeder sollte daher in seinem Bereich dafür sorgen, dass es nicht zu einer Einschleppung
der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland kommt. Wichtig ist auch die
Einsendung von Proben krank erlegter oder tot aufgefundener Schwarzkittel, um ein
mögliches Seuchengeschehen frühzeitig zu erkennen. Je kleiner ein betroffenes Gebiet
ist, desto größer ist die Chance die Seuche noch kontrollieren zu können – Verzögerungen
bei der ASP-Bekämpfung können zu einer rasanten Ausbreitung mit
schwerwiegenden Folgen für alle Betroffenen führen.
Zögern Sie daher nicht, eine Probe an das Landesuntersuchungsamt zu senden.

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