Jagdverbot in Deutschland Zum EMGH-Urteil vom 26. Juni 2012

Pressemitteilung des ÖJV Bayern

Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR)
(Beschwerdenummer 9300/07) vom 26. Juni 2012 ist festgestellt, dass auch in
Deutschland Grundeigentümer auf ihrem Grund und Boden die Jagd untersagen
können.
Mit diesem Urteil sind derzeit noch unabsehbare Folgen verbunden.
Durch die Herausnahme von Grundstücken aus den Jagdgenossenschaften etc.
kann es jagdpraktisch und jagdrechtlich zu gravierenden Verschlechterungen
kommen:

  • Grundsätzlich ist damit das Reviersystem, hinter dem der ÖJV uneingeschränkt steht, gefährdet.
  • Es wird schwieriger, die dringend notwendigen Bewegungsjagden durchzuführen, da vor allem der ohnehin schon prekäre Hundeeinsatz mit überjagenden Hunden zusätzlich Probleme hervorrufen kann.
  • Aus Tierschutzgründen muss gesichert sein, dass auch auf den Flächen, die aus der Jagd herausgenommen sind, Nachsuchen stattfinden können.
  • Je größer die nicht bejagten Flächen sind, desto mehr können sich dort Schalenwildbestände aufhalten und entwickeln, die in den umliegenden Wald und Landwirtschaftsflächen Schäden hervorrufen können.
  • Je nach Größe und Lage der nicht bejagten Flächen können jagdgenossenschaftliche Flächen zu klein werden und damit ihre Eigenständigkeit verlieren.

Entscheidend wird sein, wie die Bundesregierung diese höchstrichterliche
Festsetzung in das deutsche Recht integriert. Eine rechtlichen Umsetzung des Urteils
dem Selbstbestimmungsrecht des Grundeigentümers sowohl auf Nicht-Dulden der
Jagd als auch dem Recht anderer, angrenzender Eigentümer, die jagen wollen und
müssen, Genüge zu tun, erscheint erstmals als Quadratur des Kreises:

  • Kernaufgabe wird es sein, das Reviersystem zu festigen und zu stärken!
  • Für eine naturnahe Waldentwicklung und -nutzung ist eine flächendeckende Jagd unerlässlich und muss effektiv durchführbar bleiben.
  • Das in den Jagdgesetzen vorgeschriebene Ziel der Anpassung der Wildbestände an die Landeskultur muss erreichbar bleiben und von allen Jagdausübenden auch erfüllt werden.
  • Je mehr das Urteil in Deutschland umgesetzt und damit die Bejagung der Schalenwildbestände erschwert wird, desto mehr muss der Staat Möglichkeiten unterstützen, mit denen anders denkende Grundeigentümer diese ungute Situation ausgleichen können.

Der ÖJV wird die Diskussion aufmerksam verfolgen und sich im Schulterschluss mit
anderen Verbänden und Institutionen für eine zufriedenstellende Lösung dieser
problematischen Situation einsetzen.
Dr. Wolfgang Kornder (1. Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereines Bayern e.V.)
Ulsenheim 23,
91478 Markt Nordheim
Tel.09842/951370, Fax: 09842/951371
Kornder@oejv.de
www.oejv.de
Elisabeth Emmert (ÖJV-Bundesvorsitzende)
Alte Poststr. 20
57537 Wissen

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