Erste grundlegende Novellierung des Jagdrechts in Baden-Württemberg seit fast 80 Jahren – Auftaktveranstaltung Landtag 22. Juni 2012

Der Ökologische Jagdverein Baden – Württemberg e.V. (ÖJV BW) begrüßt die von der
grün – roten Landesregierung beabsichtigte Novellierung des Landesjagdgesetzes.
Wer die einmalige Chance verpasse, das Landesjagdgesetz zu aktualisieren,
erweise der Jägerschaft einen Bärendienst. Ziel des ÖJV sei es Jäger als
verantwortungsbewusste Naturschützer im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.
Jagd und Jäger können in der Gesellschaft ihre Akzeptanz nur erhalten, wenn sie
Erkenntnisse aus der Wildbiologie, Anliegen des Natur- und Tierschutzes aufnehmen und
in einem von allen Beteiligten getragenen Gesetz umsetzen, so der 1. Landesvorsitzende
des ÖJV, Christian Kirch.

Die Nutzung von Wald und Feld werde heute durch vielfältige, manchmal gegenläufige
Interessen bestimmt. Gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme könnten nicht
gesetzlich verordnet werden. Die Novellierung des Landesjagdgesetzes sollte aber
überfällige Regelungen aufheben und das Baden – Württembergische Jagdgesetz
einer allgemeinen gesellschaftlichen Akzeptanz nahe bringen. Die Arbeit an der
Novellierung werde Denkanstöße über gesetzliche Normierungen hinaus geben.
Kirch nannte einige Punkte, die für den ÖJV von grundlegender Bedeutung seien:
Wildtiere fahren im Winter ihren Körperhaushalt zurück. Der ÖJV plädiert für eine
Reduzierung der Jagdzeit zu Jahresbeginn um zwei Monate und das für alle Wildtierarten.
Es soll Jagdruhe herrschen. Der natürliche Stoffwechselrhythmus der Tiere soll
respektiert werden.
Die Synchronisierung der Jagdzeiten für alle Tierarten bringe für die Jäger eine
Vereinfachung, senke den Jagddruck und entlaste damit das Wild, was wiederum
zu niedrigerem Verbiss der Pflanzen im Wald führe.
Keinen Zweifel ließ Kirch daran, dass der ÖJV die Fütterung von Wild auf
Ausnahmetatbestände, wie dies in Schleswig-Holstein bereits Gesetz ist, beschränkt
wissen wolle. Wir sind Jäger, keine Schweinemäster, so Kirch. In diesem Punkt stehe der
ÖJV hinter den bekannten Absichten der Landesregierung.

Anliegen seines Verbandes sei es, die in Baden – Württemberg für den Jagderfolg
wichtige Kirrung so zu regeln, dass verbreitetem Missbrauch unmissverständliche
Schranken aufgewiesen werden. Die derzeitigen Regeln seien für die Jäger zu
kompliziert und von den Behörden nicht zu kontrollieren.
Der Jagdschutz, nach dem die Tötung von wildernden Hunden und Katzen durch
Revierpächter rechtlich zulässig ist, werde dem gewandelten Verständnis in unserer
Gesellschaft nicht mehr gerecht. Die Jäger des ÖJV sehen sich nicht in der autoritären
Rolle eines „Waldpolizisten“. Die nach Jagdschutz denkbare Tötung von Hunden und
Katzen durch Jäger soll aus dem Gesetz gestrichen werden. Andererseits fordert der
ÖJV eine höhere Sensibilität auf Seiten der Hunde- und Katzenbesitzer ein.
Darüber hinaus müsse dem Zugeständnis der Jägerschaft, auf den Jagdschutz zu
verzichten, die Bereitschaft der Strafbehörden korrespondieren gegen Haustierbesitzer
vorzugehen, die es billigend in Kauf nehmen, dass ihre Tiere wildern.
Im Detail ist Christian Kirch der Meinung, dass wichtige Änderungen überfällig seien und
in die Eigenverantwortung des Jägers gehören:
Die Schonung des Rehbockes ab 15. Oktober, also ab der Zeit in der er sein Geweih
abwirft, während alle weiblichen Rehe bis Ende Januar weiter bejagt werden dürfen, sei
nur aus Sicht der überkommenen Trophäenjagd verständlich. Auch ist es wohl unsinnig,
den Rehbock dann nicht zu jagen, wenn die gewerbliche und private Nachfrage nach
Wildfleisch am größten ist. Jägern, die den Bock aus Gründen der Trophäe schonen
wollten, möge dies in Eigenverantwortung überlassen bleiben.
Eine professionelle, konzentriert ausgeführte Jagd, würde letztlich Wild, Wald, Landwirten und Waldbesitzern nützen. Die gesteigerte Effizienz führt zu weniger Jagddruck bei den Tieren. In kürzerer Zeit werden die angestrebten Jagdstrecken erreicht. Ein zeitiges Ende der Jagdsaison wird möglich.
Geschäftsstelle ÖJV-BW
Dr. Klaus Maylein

Pressemitteilung des ÖJV-BW 23.06.12.

Dieser Beitrag wurde unter Baden-Württemberg, Jagdverbände, Pressemitteilung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.