Behm: Pachtfähigkeit von Jagdvereinen einführen

„In fast allen Bereichen von Gesellschaft und Wirtschaft ist es möglich, verantwor-tungsvolle Aufgaben an Vereine und andere juristische Personen zu übertragen. Warum das ausgerechnet im Jagdwesen nicht möglich sein soll, wird das Geheimnis von Agrarstaats¬sekretär Bleser bleiben. Auch innerhalb von Vereinen sind Verantwortlichkeiten klar zugeordnet.“ Mit diesen Worten kritisierte die Sprecherin für Ländliche Entwicklung und für Waldpolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cornelia Behm, die Absage der Bundesregierung an die Forderung nach Einführung der Pacht¬fähigkeit von Jagdvereinen in das deutsche Jagdrecht. Die Bundestagsabgeordnete hatte sich bei der Bundesregierung in einer Schriftlichen Frage nach einer Bewertung dieser Forderung erkundigt.

„In vielen Regionen nehmen die Schwierigkeiten zu, Jagdpächter zu finden. Die Pachtfähigkeit von Jagdvereinen würde hier neue Optionen schaffen. Dabei bleibt es letztlich den Jagdgenossenschaften überlassen, ob sie einem Jagdverein ihren Jagdbezirk verpachten wollen oder nicht. Der besondere Vorteil wäre, dass sich mehrere Jäger, die jeweils einzeln nicht die Verantwortung für ein ganzes Revier tragen könnten, zusammenschließen können. Die Option, beim Jagdpächter Jagderlaubnisscheine zu lösen, auf die das Ministerium verweist, wird vielfach sicherlich auch in Frage kommen. Aber dabei entscheidet letztlich nur der Jagdpächter über die Art und Weise der Jagd. Mitglieder eines pachtfähigen Jagdvereins könnten darüber stärker mitbestimmen und damit höhere Verantwortung übernehmen. Das ist etwas völlig anderes.

Diese Option wäre für ortsansässige Jäger und Landnutzer, die ein Interesse an einer wirksamen Verminderung von Wildschäden in Land- und Forstwirtschaft und damit einer effektiven Jagd haben, besonders attraktiv. Daher ist es sinnvoll, u. a. durch die Einführung der Pachtfähigkeit von Jagdvereinen die Möglichkeiten für mehr Beteiligung ortsansässiger Jäger und Landnutzer zu verbessern.

Weitere Maßnahmen wären die Anhebung der Anzahl von zulässigen Jagdausübungsberechtigten in gemeinschaftlichen Jagdbezirken, der Verzicht auf die zahlenmäßige Begrenzung von Jagderlaubnisscheinen, eine Absenkung der Mindestgröße für Gemeinschaftsjagdbezirke auf die Mindestgröße für Eigenjagdbezirke und eine Abschaffung der Mindestpachtdauer.

Ich fordere die schwarz-gelbe Bundesregierung auf, ihre jagdpolitischen Scheu-klappen endlich abzusetzen und sich auch im Interesse der Land- und Forstwirtschaft für eine Modernisierung des Jagdrechtes zu öffnen, statt im Bund weiterhin auf der Unveränderbarkeit der bestehenden jagdrechtlichen Regelungen zu bestehen.“

Jens Dörschel

Wiss. Mitarbeiter, Büro Cornelia Behm MdB,
Sprecherin für Ländliche Entwicklung und für Waldpolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel. 030-227 71566, Fax 76165
www.cornelia-behm.de

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