Leserbrief zu dem Artikel „Quo vadis Rabenvogeljagd“

und den dazu gehörigen Kommentaren, insb. den Kommentar von Wolfgang Kornder. ÖkoJagd 1/2012.

In der Antwort auf das Schreiben von Herrn Maas in der letzten Ökojagd versuchte Herr Kornder die Unterschiede zwischen Krähenjagd und Rehwildjagd herauszustellen. Obgleich ich seine Einschätzung, dass die Rehwildbejagung aufgrund der zentralen gesellschaftlichen Bedeutung des
Waldes, einen höheren Stellenwert als die Krähenbejagung, hat, zustimme, stimme ich ihm in folgenden Punkten nicht ganz zu:

„Wenn man nicht alles bis zum Greifvogel erschießen oder fangen will muss man hier (Lebensraumverschlechterung) ansetzen und entsprechene Biotopverbesserung machen“

Wie nicht nur das Beispiel von Bornholm zeigt, muss man das anscheinend nicht. Keine Frage, der Weg der Biotopverbesserung wäre aus ökologischer Sicht zu bevorzugen, jedoch kann man auch durch eine strenge Bejagung des Raubwildes die Niederwildpopulationen „künstlich“ (denn was in unserer Kulturlandschaft ist denn heute nicht künstlich) erhöhen. Ob man es übers Herz bringt einen Fuchs zu schießen damit man einen Hasen oder
zwei mehr schießen kann, das mus jeder Jäger mit sich selbst ausmachen.
Ein anderes Problem mit dem Vorschlag der Biotopverbesserung ist, dass es von dem einzelnen Jäger nicht so einfach zu bewerkstelligen ist und u.U. mit einem hohen finanziellen, zeitlichen und organisatorischen
Aufwand verbunden ist. Biotopverbesserung ist einfacher gesagt als getan.

Der zweite Punkt an dem ich Anstoß nehme ist folgender:

„Während es durchaus einen vernünftigen Grund gibt, Schalenwild zu bejagen, fehlt ein solcher weitgehend bei Raubwild- und Raubzeugbejagung“

Ich finde diese Aussage ist eine Anmaßung. Wer sind Sie zu entscheiden, was vernünftig oder unvernünftig ist ? Die Ansicht, dass die Jagdim Wald auch und insbesondere die Aufgabe hat, die Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel zu erlauben, teile ich. Was ich hingegen nicht teile, ist ihr Unfehlbarkeitsanspruch, dass dies der einzige vernünftige Grund sei. Ich persönlich gehe z.B. auf die Jagd, weil es mir Spaß macht zu jagen. Wo wir auch schon beim dritten Punkt meiner Kritik wären, nämlich
ihrem Absatz „Sprache verrät – Der „Spaß“ an der Jagd“:

Sie schreiben „Wir leben in der Spaßgesellschaft, in der es wesentlich darauf ankommt, dass alles lustig ist und Spaß macht“.
Ich weiss nicht wo Sie leben, aber da wo ich lebe (Freiburg und Erlangen) ist das nicht so und ich verstehe ehrlich gesagt nicht wie man auf so etwas kommen kann.

Ich teile auch nicht ihre Meinung, dass man, um auf die Jagd zu gehen, eine logische Begründung braucht. Wenn Sie sich damit sicherer fühlen weil Sie sich einreden können, dass dem Töten somit ein Sinn gegeben worden ist, bitteschön. Natürlich kann ich z.B. meinen Freunden die
Vorzüge der Jagd versuchen zu erklären. Damit kann ich allerdings nicht erklären warum ich auf die Jagd gehe, denn allein die Aufsummierung der Vorteile ist nicht der wahre Grund, wenn es einen solchen gibt.
Ich finde den von Ihnen zitierten Spruch von Ortega „Man jagt nicht um zu töten, sondern umgekehrt, man tötet, um gejagt zu haben“ absolut lächerlich und verstehe nicht wie man ihn allen ernstes einem Gegenüber als Erklärung für sein Hobby (Oder reden wir hier schon über“Passion“?) geben kann oder dafür, dass man ein Tier tötet. Dass das Töten ein Teil der Jagd ist, dem stimme ich vollkommen zu. Aber wieso erst das Töten das Jagen zum Jagen machen soll geht mir nicht in den Sinn.
Schließlich war ich auch Jagen, wenn ich ohne Beute heimkam. Und wenn ich das eine nicht wollte, würde ich doch das andere einfach sein lassen. Wozu diese seltsame Begründung ?

 

 

 

 

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