Jagd und Naturschutz kein Gegensatz

20 Jahre Ökologische Jäger in Niedersachsen und Bremen

 Hannover. Am vergangenen Sonnabend (25.2.) feierte der „Ökologische Jagdverein Niedersachsen und Bremen e.V.“ (ÖJV-NB) sein 20-jähriges Jubiläum. Zahlreiche Gäste aus Politik, Natur- und Tierschutz sowie der Jagdpraxis nahmen an der Jubiläumsveranstaltung teil.

Der Vereinsvorsitzende der ökologischen Jäger Jürgen Oppermann stellte in seiner Begrüßung seinen  Verein vor. Er beleuchtete verschiedene Aspekte eines „Jagens mit der Natur“. Wildbiologische Probleme wie Störungen der Wild- und anderer Tierarten durch Erholungssuchende aber auch durch Jäger selber sollen künftig bei der Jagd stärker berücksichtigt werden. Er forderte weiterhin, dass „die Jagd tierschutzgerechter ausgeübt werden“ solle, was z.B. „eine Einschränkung der Jagd auf Rabenvögel“ insbesondere in der Brutphase zur Konsequenz hätte.

Die Vorsitzende des „Ökologischen Jagdverbandes“ Elisabeth Emmert gratulierte in ihrem Grußwort im Namen ihres deutschlandweiten Dachverbandes der ökologischen Landesjagdvereine.

Christian Meyer, jagdpolitischer Sprecher der Niedersächsischen Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, betonte in seinen Worten an die Zuhörerschaft, „eine Mehrheit der Bevölkerung sei für zeitgemäße Lösungen im Bereich der Jagd “. Man habe es schließlich mit lebendigen Wesen zu tun. Auch künftig sollen sachdienliche Lösungen im Vordergrund stehen, wobei dem Ökologischen Jagdverein Niedersachsen und Bremen e.V. eine wichtige und vermittelnde Rolle zukäme.

Für den Landesverband Niedersachsen des Naturschutzbundes Deutschland e.V. gratulierte dessen Vorsitzender Dr. Holger Buschmann:
Zwischen Jagd und Naturschutz existiere eine Reihe von Zielkonflikten. Eine Gefährdung typischer heimischer Biotope und Arten sei leider bis heute festzustellen. Er fand anerkennende Worte für den Vorsitzenden des ÖJV-NB Jürgen Oppermann wegen seines starken persönlichen Einsatzes zur Jagdbeschränkung auf Gänse im Raum Emden. Vor allem im Bereich der Jagdausbildung junger Menschen sollte der ÖJV-NB sein Engagement verstärken, da ja internationale Ziele wie Artenvielfalt und Klimaschutz hiervon unmittelbar betroffen seien.

Schließlich formulierte auch die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, vertreten durch ihren niedersächsischen Landesvorsitzenden Edmund Haldenwang ihre Wünsche. Zunächst bestätigte er, beide Organisationen hätten gemeinsam als Ziel die naturnahe Bewirtschaftung von Waldökosystemen im Blick. Er wandte sich gegen jegliche Fütterung von Wild und forderte eine qualifizierte Bejagung z.B. in Form von Gemeinschaftsjagden. Hiermit wäre Wildtieren und Ökosystemen gedient und gleichzeitig dem Interesse der Waldbesitzer Rechnung getragen. Er wünsche den Ökojägern, dass sie weiter Vorbildwirkung in die Reihen der anderen Jäger ausstrahlten und diese zu verantwortlicherem jagdlichen Handeln anregen könnten.

Zwei Fachvorträge illustrierten danach die Arbeitsweise des Ökologischen Jagdvereins Niedersachsen und Bremen.

Rainer Bartel als einer der Männer der ersten Stunde gab eine Rückschau auf 20 Jahre ÖJV-NB. Ursprünglich als Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd für Norddeutschland angelegt, wollten dessen Mitglieder seit 1991 die Jagdkonzepte den Wildarten entsprechend qualifizieren. Dabei seien nicht nur Schutzmaßnahmen für die in der Agrarsteppe seltener gewordenen Hasen und Rebhühner praktiziert, sondern zudem z.B. tierschutzferne Jagdmethoden mit verschiedenen Fallentypen auf bestimmte Tierarten in Frage gestellt worden.

Auch dem in Niedersachsen 1991 mutig auf den Weg gebrachten LOEWE-Waldkonzept („Langfristige ökologische Waldentwicklung“) wolle man weiter näher kommen, da die jagdlichen Zielvorgaben auf der Fläche noch längst nicht erreicht seien. Die als Trophäen begehrten Hirschgeweihe und Rehgehörne sollen künftig wildbiologisch aussagekräftigeren  Weisern (Kennzahlen) wie dem Körpergewicht der erlegten Tiere weichen. Selbstverständlich setze man dabei auf die Lernfähigkeit der Mitjäger und wolle im Bereich der Fortbildung neue Maßstäbe setzen.

Der freie, also unabhängige Berufsjäger und Buchautor Bruno Hespeler schließlich spannte in seinem Festvortrag einen Bogen über das Wirkungsfeld der Jäger in ganz Deutschland. Die Jagd habe als kulturelles Handwerk nur dann eine Zukunft, wenn die „schwarzen Schafe“ wieder eingefangen würden und hier ein offener und kritischer Dialog zwischen Jagenden und Gesellschaft einsetze. Der ÖJV-NB hätte dabei eine gute Chance, da seine Mitglieder aus vielfältigen Tätigkeitsfeldern kämen und seine Glaubwürdigkeit noch gegeben sei. Das Verständnis setze an dem Begriff „Natur“ an, der von vielen Zeitgenossen unterschiedlich definiert werde.

Insgesamt nahmen an diesem spannenden Vormittag etwa 50 Anwesende viele Eindrücke mit.

Die nächste Exkursion des Ökologischen Jagdvereins zum Thema „Wildschäden im Kleinprivatwald“ ist bereits vorgeplant.

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